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04.12.2019, 20:42:53 / Feuilleton

»Künstlerkollektiv« entschuldigt sich

»Jedwede Grenze von Anstand und Respekt« überschritten: Die abge
Andenken an die Opfer »in schamloser Weise« verletzt: Die abgeklebte Säule am Mittwoch in Berlin

Berlin. Nach heftiger Kritik hat sich das »Zentrum für politische Schönheit« (ZPS) für seine jüngste Aktion entschuldigt. Es verhüllte am Mittwoch das Kernstück einer Stahlsäule, die nach Angaben der Gruppe Asche von Opfern nazistischer Massenmorde enthält. Das »Künstlerkollektiv« hatte in Sichtweite des Reichstagsgebäudes eine »Gedenkstätte« errichtet. Wie ZPS-Sprecher Philipp Ruch gegenüber dpa sagte, gab es weitere vergleichbare Projekte in mehreren Städten, darunter Halle, Arnstadt und Cottbus. Auch diese wurden laut ZPS umgestaltet und die Stelen ersetzt.

Nichts habe ihnen ferner gelegen, als die religiösen und ethischen Gefühle von Überlebenden und Nachkommen der Getöteten zu verletzen, teilten Mitglieder des ZPS auf ihrer Internetseite mit. »Wir wollen bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben«, heißt es dort unter der Überschrift »Wir haben Fehler gemacht«. Das gläserne Kernstück der Säule wurde mit schwarzem Klebeband blickdicht abgeklebt, um dem Eindruck der »Zurschaustellung« zu begegnen. Außerdem solle der für Samstag nachmittag angekündigte sogenannte Zapfenstreich abgesagt werden.

Der Zentralrat der Juden hatte die Aktion als unseriös bezeichnet. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, erklärte: »Die jüngste Aktion des ›Zentrums für politische Schönheit‹ soll provozieren, ist aber tatsächlich nur geschmacklos, taktlos und pietätlos.« Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem bat das ZPS, »verantwortungsbewusst zu handeln und die Erinnerung an die Opfer des Holocaust sowie an die Überlebenden zu respektieren, die die Greuel dieser Ära ertragen haben«. Am Dienstag hatte der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Uwe Becker, von einer »sogenannten Kunstaktion« gesprochen, die »jedwede Grenze von Anstand und Respekt« überschreite. Das Andenken an die Opfer sei durch die Aktion »in schamloser Weise« verletzt worden. (dpa/jW)

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