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Aus: Ausgabe vom 06.12.2019, Seite 5 / Inland
Krankheiten in der Arbeitswelt

Kein Tabuthema mehr

Fehltage wegen psychischer Belastungen in zehn Jahren mehr als verdoppelt
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Fehlzeiten aufgrund von Muskel-Skelett-Beschwerden, Atemwegserkrankungen und psychischen Belastungen steigen weiter

Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen haben sich nach aktuellen Daten des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Wie aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten »BKK-Gesundheitsreport« hervorgeht, ging im vergangenen Jahr bei den BKK jeder sechste Fehltag (15,7 Prozent) auf psychische Erkrankungen zurück. Das war ein Anstieg um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und ein Zuwachs um rund 129 Prozent seit 2008. Im selben Zeitraum stiegen die Fehltage bei Muskel-Skelett-Erkrankungen um ein Drittel sowie bei Atemwegserkrankungen um mehr als die Hälfte. Beide Krankheitsgruppen sorgen nach wie vor für die meisten Ausfälle.

Die starke Zunahme der Fehltage bei psychischen Störungen sei auch darauf zurückzuführen, dass jeder Krankheitsfall zu überdurchschnittlich langen Ausfällen von im Schnitt 37 Tagen führt. Psychische Erkrankungen seien »kein Tabuthema mehr«, erklärte BKK-Verbandsvorstand Franz Knieps.

Nicht jede Diagnose habe heute zudem automatisch Fehlzeiten zur Folge. Von den Beschäftigten, die 2018 beispielsweise die Diagnose depressive Episode erhalten hätten, sei nicht einmal jeder achte arbeitsunfähig gewesen. Dies ist nicht zuletzt abhängig von den Arbeitsbedingungen. Auf Lohnabhängige in Berufen, die sich hauptsächlich mit anderen Menschen beschäftigten wie in den Bereichen Gesundheit und Erziehung sowie Sicherheit, entfielen demnach überdurchschnittlich viele Arbeitsunfähigkeitstage. Beschäftigte in der Altenpflege stehen dem Report zufolge mit durchschnittlich 5,8 Fehltagen aufgrund psychischer Störungen an der Spitze aller Berufsgruppen. Im Vergleich zum Durchschnitt ist der Wert in der Altenpflege damit mehr als doppelt so hoch.

Auch der Erwerbsstatus wirkt sich deutlich auf die psychische Gesundheit aus, wie die Daten bestätigen. So ist mit durchschnittlich 15,2 Arbeitsunfähigkeitstagen der Wert für Arbeitslose fast dreimal so hoch wie der der am meisten belasteten Beschäftigten in der Altenpflege.

Um psychische Belastungen und Stress einzudämmen, »benötigen wir eine Antistressverordnung mit klaren und verbindlichen Richtlinien für Arbeitgeber«, erklärte Jutta Krellmann, Sprecherin der Fraktion die Linke für Mitbestimmung und Arbeit. Die psychischen Gefährdungsbeurteilungen reichten nicht aus. Nur in jedem vierten Betrieb werde überhaupt eine durchgeführt. (AFP/jW)

Debatte

  • Beitrag von Dr. rer. nat. Harald W. aus H. ( 6. Dezember 2019 um 12:55 Uhr)
    Die Psychiater diagnostizieren als pathologisch alles, was ihnen von den Ärzten und Psychologen überwiesen wird.

    Die psychiatrische Diagnose ist die Nachfolge der Erbsünde – womit alle Akademiker genauso schlecht zurechtkommen wie der Rest der Bevölkerung ab Kind aufwärts. Auch die Verdammung der Frau zum »Untertansein unter dem Mann« geht, gerade bei Depression stark, als »Vorgänger« ein. Freuds »Frigidität der Frau aufgrund fehlender ›Rollenübernahme‹ zum vaginalen Orgasmus« macht da die Verw-irr-ung diagnosereif.

    Die Sexualpathologie des »kleinen schmutzigen Geheimisses« Sex.

    Auch hier: »Tantrasex (Yoga) statt Psychiatrie. (Naturalisch-alternatives »Weltkulturerbe« (kleiner Scherz).

    Und die Patientenverfügung (online) mit Schirmherrin (!) Nina Hagen zum Schutz statt »zwecklosem Ora et labora«!

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