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Aus: Ausgabe vom 06.12.2019, Seite 3 / Schwerpunkt
Klimawandel

Gefahren für die Welternährung

Weltmeere verschmutzen und versauern, Landwirtschaft leidet unter Niederschlagsmangel
Von Wolfgang Pomrehn
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Protestaktion von Fischern unweit von Homer, Alaska (September 2009)

Der Klimawandel birgt zahlreiche Gefahren für die Menschheit, einige davon sind mit Risiken für die Welternährung verbunden. Zum einen ist mit der Fischerei die Grundlage einer wichtigen Eiweißquelle bedroht. Nicht nur Überfischung, Plastik- und anderer Verschmutzung setzen ihr zu. Erhöhte Wassertemperaturen und Verschmutzung lassen bereits jetzt viele Korallenriffe absterben, die eine wichtige Funktion als Kinderstube zahlreicher Fischarten haben. Bei einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von über 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau werden voraussichtlich weltweit alle Warmwasserkorallenriffe sterben. Erreicht ist bereits etwas mehr als ein Grad, und beim derzeitigen Tempo der Erwärmung könnte es bereits im übernächsten Jahrzehnt so weit sein.

Zusätzliche Gefahr droht zum anderen durch die Versauerung der Meere. Je mehr CO2 in der Atmosphäre enthalten ist, desto mehr gelangt in die Ozeane, reagiert mit dem Wasser zu Kohlensäure und sorgt für immer härtere Bedingungen. Wenn die Zunahme nicht bald gestoppt wird, werden ganze Nahrungsketten zusammenbrechen, weil kleine Organismen mit Schalen und Kalkskeletten im sauren Wasser nicht überleben können. Gegenüber dem vorindustriellen Niveau hat der Säuregrad der Weltmeere bereits um 26 Prozent zugenommen, berichtete dieser Tage die Weltmeteorologieorganisation WMO.

Die WMO macht außerdem auf die Gefahren für die Landwirtschaft aufmerksam. In vielen Regionen falle der Niederschlag weniger zuverlässig. Besonders für ohnehin gefährdete Länder stelle das ein großes Problem dar. In 33 Staaten habe es 2018 eine Krise der Versorgung mit Nahrungsmitteln gegeben. In zwölf davon sei dies vor allem auf extreme Wetterereignisse zurückzuführen und in 14 weiteren haben diese neben ökonomischen Krisen zu den Versorgungsproblemen beigetragen. 80 Prozent der Menschen, die keinen sicheren Zugang zu Nahrungsmitteln haben, so die WMO in einer gemeinsamen Stellungnahme mit anderen UN-Organisationen, seien durch schwere Unwetter, Stürme, Überschwemmungen und Dürren bedroht, und deren Anzahl und Intensität werde in einer wärmeren Welt weiter zunehmen. Die Zahl der unterernährten Personen sei von 2015 bis 2018 von 785 auf 821 Millionen gestiegen. Weitere 704 Millionen Menschen seien stark gefährdet.

Dabei geht Gefahr nicht nur von Ernteausfällen im eigenen Land aus. Der Maßstab ist letztlich, sofern die jeweiligen Staaten nicht mit Subventionen oder ähnlichem eine schützende Hand über ihre Bürger halten, der Weltmarktpreis. Und dieser geht hoch, sobald es irgendwo zu größeren Ausfällen kommt.

In diesem Zusammenhang ist eine am 9. Dezember im Fachblatt Nature Climate Change veröffentlichte Studie bemerkenswert. Autoren um Kai Kornhuber vom Earth Institute in New York haben ein System von Höhenwinden untersucht, dass auf der Nordhalbkugel die Zugbahnen der Hoch- und Tiefdruckgebiete kontrolliert. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass gleichzeitige Hitzewellen und damit einhergehende Dürren in Regionen möglich sind, die für ein Viertel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion verantwortlich sind. Besonders anfällig seien der jeweilige Westen Nordamerikas und Russlands sowie Westeuropa und die Ukraine.

»Normalerweise geht man davon aus, dass geringe Ernteerträge in der einen Region durch gute Ernteerträge in einer anderen Region ausgeglichen werden. Aber diese planetaren Wellen können zu Ernteeinbußen in mehreren wichtigen Kornkammern gleichzeitig führen – mit entsprechenden Risiken für die globale Nahrungsmittelversorgung«, warnt Dim Coumou vom Institut für Umweltstudien der Freien Universität Amsterdam und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Gemeint sind die Wellen im besagten Höhenwind, dem sogenannten Jetstream. Verschiedene Untersuchungen haben in den letzten Jahren gezeigt, dass diese Wellen durch den Klimawandel langsamer wandern und damit auch Hochdruckgebiete länger über einer Region liegen. Die Folgen sind Hitzewellen und ausbleibende Niederschläge. Diese Wellen können, so das Ergebnis der jüngsten Studie, durchaus so zu liegen kommen, dass mehrere wichtige Agrarregionen gleichzeitig betroffen wären.

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