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Aus: Ausgabe vom 06.12.2019, Seite 1 / Inland
Erschöpft im Beruf

Leer und ausgebrannt

»DGB-Index Gute Arbeit«: Belastung und Stress bei Lohnabhängigen weiter gestiegen
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Wissenschaftler sprechen angesichts der zunehmenden Belastung bereits von der »erschöpften Arbeitswelt«

Nur 13 Prozent der Beschäftigten in Deutschland bewerten ihre Arbeitsbedingungen grundsätzlich als gut. Ein Fünftel arbeitet unter schlechten Bedingungen. Insbesondere die hohen Arbeitsbelastungen und die damit verbundenen Probleme treiben die Lohnabhängigen um. Das sind zentrale Ergebnisse des »DGB-Index Gute Arbeit« 2019, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Die Arbeitsintensität liege seit Jahren auf einem hohen Niveau. Grund seien unrealistische Zielvorgaben, Personalmangel und eine Terminplanung, die den Beschäftigten keine Puffer bei unvorhergesehenen Störungen einräumten. Der Druck des Marktes werde ohne Rücksicht auf Verluste an den einzelnen Beschäftigten weitergegeben, erklärt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann im Vorwort zur Studie.

53 Prozent aller Befragten fühlen sich bei der Arbeit häufig bis sehr häufig gehetzt. Jeder dritte musste – verglichen mit dem Vorjahr – deutlich mehr Arbeit bewältigen, ohne jedoch mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen. Wer unter Arbeitsüberlastung leidet, lässt Erholungspausen häufiger ausfallen und geht auch trotz Krankheit häufiger zur Arbeit. Knapp 60 Prozent der Betroffenen fühlten sich nach der Arbeit oft leer und ausgebrannt.

Für den »DGB-Index Gute Arbeit« werden seit 2007 einmal im Jahr abhängig Beschäftigte zur Qualität ihrer Arbeitsbedingungen befragt. 2019 wurde bundesweit der Arbeitsalltag von mehr als 6.500 Angestellten aller Branchen, Berufe, Einkommens- und Altersgruppen, Regionen und Betriebsgrößen untersucht. Der Schwerpunkt lag auf der Arbeitsintensität und ihren gesundheitlichen Folgen.

Vor dem Hintergrund des Befundes verurteilte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), Guido Zeitler, die Bestrebungen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, das Arbeitsgesetz zu schleifen. Es sei ein deutliches Alarmsignal, wenn mehr als 60 Prozent der Beschäftigten im Gastgewerbe sagten, nicht bis zum Rentenalter durchhalten zu können. »Wir brauchen mehr statt weniger Gesundheitsschutz in der Arbeitswelt«, resümiert Zeitler. (jW)

Debatte

  • Beitrag von Dr. rer. nat. Harald W. aus H. ( 6. Dezember 2019 um 10:33 Uhr)
    Auch das »Politikgroßmeisterschach« packt seine Exponenten so, dass ihre Psyche stark geprägt wird.

    Nabokows »Lushins Verteidigung« (der hat einen Nervenzusammenbruch während seiner WM-Partie und bringt sich als »Verteidigung« mittelfristig danach um).

    Und in der Massen-Mikropolitik-Liga?

    Da krankt das ganze »Ernstpersonal« daran, den Ernst der Lage und vor allem die »Spielstärke« der Unternehmergegner sträflichst vertrauensseligst zu unterschätzen. Vor allem der unbändige, von Konkurrenz im Nacken, Verkaufszwang und Geldgier geprägte »Siegeswille« der Unternehmerassoziierten ist den in der Selbstanalyse »freiwilligen« »Gelegenheitshobby«-Arbeitern völlig fremd!

    »Was soll ich in der Psychiatrie?« fragen sie sich dann verwundert zu Recht.

    Nun, schon die »Wie die Jungfrau zum Kinde«-Variante lässt die Mängel einer schlechten echten, aber »überflüssig wie ein Kropf«-Lebenskampf-Wettkampfvorbeitung in großem Maßstab leicht erkennen.

    Die geschlossenen Verteidigungen »bringen es« (auch als Damen-Variante verfügbar).

    Tantrasex (mindestens Yoga) statt Psychiatrie!

    Und Nina Hagens & Co. Patietenverfügung (steht online!) zur Zwangsbehandlung und Zwangsdiagnosevermeidung nicht vergessen!

    Dann bleibt das heilige Erkenntgnisvermögen – auch speziell für übelste Realsatire – erhalten!

    PS: Lushins Gegner hatte Lushins mühsamst entwickeltes System in aller Ruhe verbessert!