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Aus: Ausgabe vom 05.12.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Finanzielle Schieflage

Dem Harzer Fußballklub Wacker Nordhausen geht’s nicht gut
Von Thomas Behlert
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Ruhe bewahren, Aufstiegsziel nicht aus den Augen verlieren – Ex-Wacker-Nordhausen-Trainer Heiko Scholz

Nachdem der Pleiteklub Rot-Weiß Erfurt etwas zur Ruhe gekommen ist, da er endlich ein paar Sponsoren gefunden hat, wird in Thüringen eine neue schlechte Nachricht verbreitet: Die Harzer Mannschaft Wacker Nordhausen ist in eine finanzielle Schieflage geraten. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat der Verein an Spieler und sportliche Leiter die letzten zwei Gehälter nicht ausgezahlt. Erst nach mehrmaliger Nachfrage stellte Wacker-Präsident Nico Kleofas einige dürre Zeilen auf die offizielle Internetseite von Wacker Nordhausen. Darin gibt er zu, dass es Unregelmäßigkeiten gibt: »Es ist kein Geheimnis, dass wir im November in Probleme geraten sind.« Doch nun soll der Inhaber einer Detektei und notorische Träger von Sonnenbrillen rund um die Uhr damit beschäftigt sein, diese Situation zu entschärfen.

Da Kleofas’ Zeilen nicht gerade ermutigend sind, wollen sich die Spieler zusammensetzen und beraten, wie es weitergehen soll. Die Insolvenz sei nicht mehr weit, meinen manche. Trainer Heiko Scholz, der 2018 von Lokomotive Leipzig gekommen war, bat Spieler und Fans, Ruhe zu bewahren und das große Ziel des Aufstiegs nicht aus den Augen zu verlieren, um kurz darauf zum abstiegsgefährdeten Dynamo Dresden zu wechseln. Nicht angenommen wurden all die Beteuerungen und Zwischenrufe am vergangenen Wochenende, als die Nordhäuser im eigenen Stadion gegen Victoria Berlin 0:1 verloren.

Der Nordhäuser Fußballverein wurde 1905 als Lok gegründet und ab 1950 in BSG Motor Nordhausen umbenannt. Nach der »Wende« gab es die Umbenennung in Wacker Nordhausen und mehrere Auf- und Abstiege zwischen der Oberliga Nordost und der Thüringenliga. Mit viel Geld im Rücken gelang schließlich ab 2012 der Durchmarsch bis in die Regionalliga, wo man aktuell gegen Energie Cottbus, Rot-Weiß Erfurt, Lok Leipzig und BFC Dynamo spielt.

Damit Wacker Nordhausen noch höher klettert, kaufte Nico Kleofas einen Kader zusammen, der viel zu groß und zu teuer ist. Es kamen Fußballer vom 1.FC Kaiserlautern, von Mainz 05 und Rot Weiß Erfurt. So richtig geliebt wird Wacker von den Nordhäuser Sportfans sowieso nicht – sie misstrauen dem Präsidenten, und dass er auf dicke Hose macht, können sie auch nicht leiden. 8.000 Zuschauer passen ins heimische Albert-Kuntz-Stadion. Im Schnitt kommen 650.

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