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Aus: Ausgabe vom 04.12.2019, Seite 10 / Feuilleton

Hosalla, Beetz, Anderson

Von Jegor Jublimov

Thüringen prägte den Lebensweg einiger Künstler. So war Hans-Dieter Hosalla, dessen 100. Geburtstag am Sonntag begangen werden kann, ein Erfurter. Nach dem Musikstudium kam er von Weimar und Meiningen 1951 nach Berlin, wo er ab 1956 für rund drei Jahrzehnte als musikalischer Leiter am Berliner Ensemble wirkte. Er schuf Bühnenmusiken zu legendären Aufführungen wie Brechts »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« oder Volker Brauns »Großer Frieden«. Auch zahlreiche moderne Filmmusiken, vom Pantomimenfilm »Der junge Engländer« (1958) über Konrad Wolfs »Professor Mamlock« (1961) und »Der geteilte Himmel« (1964) bis zum Indianerfilm »Apachen« (1973), stammen aus seiner Feder. Er starb 1995.

Aus Neustadt am Rennsteig stammt der Mediziner und Autor Dietmar Beetz, der in Leipzig studierte und den es als Schiffsarzt nach Guiné-Bissau, Angola, China und Vietnam verschlug. Darauf nehmen nur wenige seiner über 30 seit 1974 erschienen Bücher direkten Bezug. Wir verdanken ihm Kinderbücher, Reisebeschreibungen, Kriminalromane, Hörspiele, auch Gedichte. Gerade seine Aphorismen und Haikus liegen ihm am Herzen und verlangen den links denkenden Leser. Beetz, der am Nikolaustag in Erfurt seinen 80. Geburtstag feiern kann, hat kürzlich »vorgelassene« Texte, den »Scripte-Friedhof« veröffentlicht, eine umfangreiche Sammlung in mehreren schmalen Bänden (zum besseren Konsumieren) zu Themen wie Medizin, Verlage und natürlich der herrschenden Politik – da gibt es Bissiges, dem man nur selten widersprechen mag.

Der Weihnachtsmann ist überlastet, und die Osterhasen raten ihm, im Ministerium einen Lieferwagen zu beantragen. Der Minister empfiehlt dem Weihnachtsmann, im Sommer in der Spielzeugfabrik zu arbeiten und von dem Geld einen Transporter zu kaufen. Letztlich bekommt er aber nur ein Motorrad mit Beiwagen. So amüsant verband der Puppentrickfilm »Die Geschichte vom Weihnachtsmann« 1961 Legende und Realität in der DDR. Regisseurin war Monika Anderson (später Krauße-Anderson), die später für Serien wie »Hähnchen Gock und die schlauen Mäuse« (1965/66) oder »Teddy Plüschohr und seine Freunde« (1971–73) verantwortlich zeichnete. Die preisgekrönte Animationsfilmregisseurin, die auch Leitungsfunktionen bekleidete, hatte einen verschlungenen Lebensweg hinter sich. Gestern vor 90 Jahren in Tallinn geboren, wurde ihre Familie bei Kriegsbeginn nach Posen (heute Poznan) umgesiedelt und floh bei Kriegsende nach Thüringen. Anderson (damals de Reese) studierte in Weimar Architektur bei Hermann Henselmann, arbeitete in Berlin beim Wiederaufbau der Staatsoper und an der damaligen Stalinallee mit, ehe sie 1960 beim Kindertrickfilm in Dresden ihre Berufung fand – auch zur Freude des kleinen Sohnes Sascha Anderson.

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