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Aus: Ausgabe vom 04.12.2019, Seite 8 / Abgeschrieben

Herkunft entscheidet über Bildungserfolg

Zu den aktuellen PISA-Ergebnissen erklärte die Bildungsgewerkschaft GEW am Dienstag in einer Pressemitteilung:

Einen Schulterschluss zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Sozialpartnern mahnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit Blick auf die PISA-Ergebnisse an. »Die große Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler bleibt die Achillesferse des deutschen Schulsystems. Auch fast 20 Jahre nach dem PISA-Schock schafft es Schule nicht entscheidend, Nachteile abzubauen, die Kinder aus dem Elternhaus mitbringen. Im Gegenteil: Der Lehrkräftemangel verschärft das Problem. Die Schere geht weiter auf«, sagte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied Schule. »Nur mit einer länderübergreifenden Anstrengung ist die Herausforderung, endlich für mehr Chancengleichheit zu sorgen, zu stemmen. Dabei sollte auch die Schulstrukturdebatte nicht länger tabuisiert werden.«

»Insbesondere Schulen in schwierigen sozialen Lagen müssen deutlich gestärkt und begleitet werden, damit sie die Schülerinnen und Schüler besser unterstützen und fördern können. Sonst werden die Unterschiede zwischen Kindern aus bildungsbenachteiligten Familien und gut betuchten Elternhäusern gerade vor dem Hintergrund des gravierenden Lehrkräftemangels an Grundschulen zusätzlich verstärkt«, betonte Hoffmann. Es sei unverantwortlich, Quer- und Seiteneinsteiger insbesondere an Schulen einzusetzen, in denen ein sehr hohes Maß an pädagogischer Kompetenz erforderlich ist. Dies verstärke den benachteiligenden Effekt, der durch die frühe Aufteilung der Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule auf verschiedene Schulformen entsteht.

Hoffmann wies darauf hin, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund deutlich schlechtere Bildungschancen als ihre Mitschülerinnen und -schüler ohne diese Erfahrung hätten: »Auch für diese Gruppe gibt es dringenden Handlungsbedarf.« Zudem regte die GEW-Expertin an, mehr in die Förderung von Mädchen in Mathe und den MINT-Fächern sowie Jungen im Lesen zu investieren. (…)

Die gesundheits- und sozialpolitische Sprecherin der Fraktion von Die Linke im Sächsischen Landtag, Susanne Schaper, äußerte sich zum Koalitionsvertrag der aus CDU, SPD und Grünen bestehenden neuen Staatsregierung:

Mich stört es sehr, dass das Soziale auch in diesem Koalitionsvertrag nur wenig Raum einnimmt. Zwar sollen mit der Wiederaufnahme der Wohnungslosenstatistik und der Reform des Vergabegesetzes zwei unserer zentralen Forderungen umgesetzt werden – allerdings werden die Kommunen die neuen Vergabevorschriften nicht umsetzen müssen. So wird Fortschritt gleich wieder gebremst. Unverständlich ist auch, dass das Wort »Armut« kein einziges Mal vorkommt, obwohl jeder sechste Mensch in Sachsen davon bedroht ist. Dazu gibt es keine Lösungen, auch nicht zur künftigen Sanktionspraxis der Jobcenter. Wenn wir Armut bekämpfen wollen, geht das vor allem durch höhere Löhne und einen höheren gesetzlichen Mindestlohn sowie über angemessene und bedarfsgerechte Sozialleistungen. Von dieser Koalition ist in Berlin kein Vorstoß in diese Richtung zu erwarten. Das gilt auch bei dem Themen Pflegevollversicherung und Begrenzung der Eigenanteile für Pflegebedürftige und deren Angehörige. Dabei ist dieses Problem akut! (…)

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