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Aus: Ausgabe vom 04.12.2019, Seite 8 / Feuilleton
Programm auf der RLK 2020

»Wir wollen gemeinsam etwas lernen und umsetzen«

Miteinander statt Konkurrenz: Die »Roten Peperoni« sind eine sozialistische Kinderorganisation. Gespräch mit Andreas Grüninger
Interview: Gitta Düperthal
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Ein Plakat der »Roten Peperoni« von 2019

Bei der 25. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 11. Januar 2020 in Berlin wird es neben einem Programm für Erwachsene auch eines für Kinder geben. Soll dabei ebenso über eine bessere Welt nachgedacht oder eher gespielt werden?

Beides. Es wird gespielt und gebastelt, aber wir werden mit den Kindern auch die aktuelle Situation in unserer Gesellschaft besprechen. Wir »Roten Peperoni« finden es als sozialistische Nachfolgeorganisation der »Jungen Pioniere« in Baden-Württemberg wichtig, mit den Kindern auch politische Zusammenhänge zu behandeln. Ähnlich läuft es bei unseren zweiwöchigen Sommerfreizeiten, die wir jährlich durchführen. 2019 stand bei uns das Thema »Wir haben nur diese eine Welt« im Mittelpunkt. Wir diskutieren mit den Kindern über die Klimakrise, darüber, wie mit Ressourcen umgegangen wird. Dazu haben wir mit ihnen gemeinsam demonstriert, Aktionen gemacht und Transparente gemalt. Letztere bringen wir mit nach Berlin zur Rosa-Luxemburg-Konferenz und wollen sie dort aufhängen.

Was thematisieren die Jugendlichen und Kinder auf den von ihnen kreierten Bannern?

Auf einem der Transparente, das Jugendliche gemalt haben, ist zum Beispiel eine Weltkugel zu sehen. Die ist halb als Industrielandschaft, halb als naturbelassenes Erholungsgebiet gestaltet. Die Gegensätze versinnbildlichen die Frage: Was können wir dazu beitragen, die Welt so zu erhalten, wie sie zum Teil noch ist? Was ist zu tun, damit nicht alles kaputtgemacht wird und der Profitgier anheimfällt?

In anderen Zusammenhängen wird mit Kindern gerne der »Stuhltanz«, auch »Reise nach Jerusalem« genannt, gespielt. Dabei geht es darum, dass es stets einen Platz zuwenig für die mitspielenden Kinder gibt und dasjenige leerausgeht, das sich am wenigsten rücksichtslos auf einen freien Stuhl drängelt. Haben Sie auch Spiele dieser Art im Programm?

Sicher nicht. In Spielen der »Roten Peperoni« geht es nicht um Sieg und Niederlage, sondern darum, gemeinsam etwas zu lernen und umzusetzen.

Begreifen Kinder, was Rassismus ist?

2018 haben wir dieses Thema unter dem Titel »Bunt statt braun« diskutiert. Für Kinder ist das Zusammenleben mit Gleichaltrigen aus anderen Kulturen völlig selbstverständlich. Sie können nicht verstehen, wie Erwachsene ein solches Problem damit haben können.

In linken Kreisen wird mitunter Kritik laut, in deutschen Kindergärten und Schulen werde auf tradierte Spiel- und Lerninhalte gesetzt, bei denen es um Gehorsam gegenüber Autoritäten geht. Das Ziel: auf das Funktionieren im Kapitalismus vorzubereiten. Was machen Sie anders?

Als »Rote Peperoni« wollen wir Freundinnen und Freunde für die Kinder sein, mit ihnen ein gleichberechtigtes und respektvolles Miteinander pflegen. So sieht es unser Statut vor. Dies drückt sich im Umgang miteinander und in den Spielen aus. Bei uns können Kinder ab sechs Jahren Mitglied werden. Auf unseren Konferenzen sind sie auch stimmberechtigt.

Klappt das in der Realität?

Zugegeben, in der Theorie ist es einfacher als in der Praxis. Weil Kinder mehr in der Gegenwart leben, ist es für sie weniger interessant, wenn Erwachsene über Vergangenes reflektieren oder Zukunftspläne schmieden. Aber sie wollen sehr wohl ihren Einfluss geltend machen und mitbestimmen – etwa, wenn es darum geht, wie ein Spielplatz gestaltet werden kann. Wir wollen mit ihnen gemeinsam für eine bessere Gesellschaft eintreten. Deshalb machen wir mit anderen fortschrittlichen Organisationen wie den Naturfreunden und DIDF (Föderation demokratischer Arbeitervereine, jW) gemeinsam Veranstaltungen, um Kinderrechte zu stärken.

Andreas Grüninger ist Gründungsmitglied der sozialistischen Kinderorganisation »Rote Peperoni«

rosa-luxemburg-konferenz.de

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