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Aus: Ausgabe vom 04.12.2019, Seite 7 / Ausland
Honduras

Zu spät und zu wenig

Honduras: Urteil zum Mord der Umweltaktivistin Berta Cáceres. Kritik von Familie und Aktivisten
Von Carmela Negrete
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Ein Mann hält vor einem Gericht in Tegucigalpa ein Schild mit dem Porträt der ermordeten Umweltschützerin Berta Cáceres hoch (29.11.2018)

Fast vier Jahre nach dem Mord an der Umweltaktivistin Berta Cáceres hat ein Gericht in Honduras am Montag vier Männer zu 50 Jahren Haft veurteilt. Drei Mitangeklagte müssen für jeweils 30 Jahre ins Gefängnis. Familienangehörige von Cáceres und die Koordinatorin des Rats der indigenen Völker Honduras’ (COPINH) prangerten daraufhin die Straflosigkeit von weiteren Verdächtigen an. In einer Erklärung von ihnen heißt es, es gebe genügend Beweise, um weitere Involvierte zu verfolgen. Sie verlangten, dass eine unabhängige Kommission eingerichtet wird, um die Täter vor Gericht zu bringen. »Berta, unsere Schwester, wird weiterhin ein Symbol des Kampfes sowie der Hoffnung bleiben, für die Territorien, in denen der Kampf zur Verteidigung des Lebens fortgesetzt wird, und deren Bewohner von dieser Diktatur verfolgt und kriminalisiert werden.«

Für sie ist das Urteil »ein erster Riss in der Mauer der totalen Straflosigkeit«, das auf die »Zähigkeit des Kampfes des COPINH, der Familie und der internationalen Solidarität« zurückgeht. Der Rat und die Familie kritisieren seit Jahren, dass sie vom Prozess ausgeschlossen waren und die Anklage von der Staatsanwaltschaft übernommen wurde. Sie vermuten, dass dadurch wichtige Hinweise und Zeugenaussagen vor Gericht verhindert werden sollten.

Am 2. März 2016 war Berta Cáceres in ihrem Haus in La Esperanza von Auftragskillern ermordet worden. Der Hintergrund war ein Kampf von Indigenen gegen den Bau eines Staudamms und des Wasserwerks »Agua Zarca«. Cáceres führte die Proteste an und stellte 33 Anzeigen gegen das verantwortliche Unternehmen Desarrollos Energéticos (Desa).

Als Auftraggeber des Mordes wurden am Montag der Umweltmanager von Desa, Sergio Rodríguez, und der Feldwebel im Ruhestand und Desa-Sicherheitschef, Douglas Bustillo, zu 30 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, Mariano Díaz, ein Major der Armee Honduras’, zu 30 Jahren. Die vier Auftragsmörder Henry Hernández – ebenfalls Soldat im Ruhestand –, Edilson Duarte, Elvin Rápalo und Oscar Torres wurden auch für den versuchten Mord an dem mexikanischen Aktivisten Gustavo Castro verantwortlich gemacht, der der einzige Zeuge des Verbrechens war. Sie sollen für 34 Jahre für den Mord an Cáceres und 16 Jahre für den versuchten Mord an Castro ins Gefängnis gehen.

David Castillo Mejías, ehemaliger Geheimdienstoffizier sowie CEO von Desa, gilt ebenfalls als mutmaßlicher Anstifter des Mordes und soll in einem gesonderten Prozess verurteilt werden. Laut einem von der Staatsanwaltschaft veröffentlichten internen Chatverlauf soll Castillo bis zu 500.000 Lempira, umgerechnet etwa 18.000 Euro, an die Mörder bezahlt haben. Gegen den Desa-Chef läuft zudem ein Verfahren wegen Bestechung, Amtsmissbrauch und Dokumentenfälschung in Verbindung mit der Genehmigungen für den Bau von »Agua Zarca«. An dem Projekt waren auch die deutschen Konzerne Voith und Siemens beteiligt. Nachdem der Mord an Cáceres und die Repressionen gegen die indigenen Lenca international für Empörung gesorgt hatten, zogen sich die Unternehmen von dem Projekt zurück.

In Berlin wurde im November im Rahmen des »Antikolonialen Monats« ein Wandbild von Berta Cáceres eingeweiht.

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