Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 04.12.2019, Seite 1 / Ausland
Bolivien

Putschisten hetzen gegen Venezuela

Boliviens De-facto-Regierung präsentiert Bericht über »Verschwörung« von Maduro
Von Frederic Schnatterer
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Boliviens De-facto-Innenminister Arturo Murillo spinnt Verschwörungstheorien

Boliviens De-facto-Regierung hat am Montag (Ortszeit) ihre ganz eigene Erklärung für die Proteste gegen den Putsch gegen Präsident Evo Morales geliefert. Auf einer Pressekonferenz in Santa Cruz erklärte »Innenminister« Arturo Murillo, die »Unruhen« der vergangenen Wochen seien von langer Hand geplant gewesen. Auch einen Hintermann präsentierte er zusammen mit dem Chef der Kriminalitätsbekämpfungseinheit der Polizei in Santa Cruz, Óscar Gutiérrez: die venezolanische Regierung.

Ausgangspunkt für die »Aufdeckung des kriminellen Netzes« sei der ehemalige FARC-Guerillero Facundo Morales, der am 10. Juli zunächst nach Bolivien ein- und dann am 12. August nach Venezuela ausgereist sei. Am 13. Oktober, also knapp einen Monat vor dem Putsch gegen Morales, sei er nach Bolivien zurückgekehrt. Gemeinsam mit anderen »gut in der Manipulation sozialer Medien geschulten« Begleitern sei es Facundo Morales darum gegangen, »das Land zu destabilisieren« und »einen Medienterrorismus auszulösen«.

Das Netz, das mehrere Einzelpersonen sowie Anhänger von Morales’ »Bewegung zum Sozialismus« sowie den Präsidenten selbst umfasse, habe »enge Verbindungen« zum Präsidenten der Verfassunggebenden Versammlung Venezuelas, Diosdado Cabello, unterhalten. Über diesen habe der venezolanische Präsident Nicolás Maduro »all den Terror, den wir Bolivianer während der vergangenen Tage erlebt haben, all den Terror, den die Kolumbianer, die Chilenen und die Peruaner erleben«, finanziert. »Es gibt eine Strömung unter der Leitung von Herrn Nicolás Maduro, die versucht, etablierte Regierungen in Amerika zu destabilisieren.«

Bereits am Sonntag hatte US-Außenminister Michael Pompeo in dieselbe Kerbe geschlagen. Bei einem Auftritt an der Universität von Louisville erklärte er, bezogen auf die Proteste in Bolivien, Chile, Kolumbien und Ecuador, dass diese zwar »Ausdruck von Demokratie« seien. Das Weiße Haus sehe sich aber veranlasst, die »legitimen Regierungen« dahingehend zu unterstützen, dass die sozialen Mobilisierungen nicht von Kuba und Venezuela »gekapert« würden.

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