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Die Mannschaft lebt

Von Gabriele Damtew
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Kein leichter Job, aber einer muss ihn machen: Rico Schmitt trainiert den Tabellenletzten FC Carl Zeiss Jena

Schlusslicht Carl Zeiss Jena kann doch noch gewinnen. Es war der erst zweite Sieg der Saison, dazu noch auswärts bei Bayern München. Bei der zweiten Garnitur selbstverständlich, der drittligatauglichen. Dabei gingen die Bayern-Bubis durch den Zehn-Millionen-Mann Michaël Cuisance früh in Führung. Der talentierte Franzose (20), der sich von seinem Weggang aus der Talentschmiede Gladbach naiverweise einen Platz in der ersten Bajuwaren-Mannschaft erhofft hatte, setzte sich gleich gegen zwei Gegenspieler durch und schlenzte den Ball gekonnt ins rechte Eck. Coach Sebastian Hoeneß frohlockte, zu früh. Denn keine zwei Minuten später reagierten die Underdogs mit einem schnell ausgeführten Einwurf und dem nachfolgenden lässigen Zuspiel von Julian Günther-Schmidt auf Ole Käuper, der gedankenschnell einnetzte. Kurz vor der Pause flankte Kilian Pagliuca auf Günther-Schmidt, der nur noch seinen Kopf hinhalten musste. Es war sein erstes Tor seit einem Jahr, damals erzielt an gleicher Stelle, das Glück des zuvor Tüchtigen. Die gewohnt spielstarken Bayern glichen durch Derrick Köhn zum 2:2 aus, wobei Jenas Verteidiger Nico Hammann am Tornetz hart angegangen wurde und behandelt werden musste. Als Revanche feuerte eben Hammann einen Freistoß ab, der aber als Eigentor im Münchner Kasten landete – der Sieg. »Die Mannschaft lebt«, lautete die Diagnose von Jenas Trainer Rico Schmitt. Das Befinden des Tabellenletzten bleibt weiterhin kritisch.

Ganz euphorisch war die Reaktion von Magdeburgs Übungsleiter Stefan Krämer nach dem 2:1-Sieg seiner Magdeburger in Großaspach. »Total cool«, lautete sein Urteil nach dem Siegtreffer durch Kapitän Christian Beck in der letzten Minute der Nachspielzeit. Sein Vertrauen in Beck, der zuletzt unter Ladehemmung litt, hatte sich ausgezahlt. Und erstmalig wurden zwei Spiele hintereinander gewonnen.

Das Spitzenspiel der dritten Liga fand zwischen dem Halleschen FC (Dritter) und Tabellenführer MSV Duisburg statt. Halles Trainer Torsten Ziegner setzte auf ein offensives 3-4-3-System, Torsten Lieberknecht auf ein defensives 4-5-1, mit Goalgetter Moritz Stoppelkamp als Speerspitze. In der ersten Halbzeit egalisierten sich die Systeme der Masterminds, Langeweile kam auf. Nur nicht verlieren, hieß die Devise. Halles Supermann Terrence Boyd musste derweil dem Ballgeschiebe von der Bank zusehen. Einzig die Zweikämpfe zwischen HFC-Kapitän Sebastian Mai und seinem holländischen Gegenspieler Vincent Vermeij hatten Erinnerungswert, nur dank des Wohlwollens des Schiris durften beide zu Ende spielen. In der zweiten Hälfte waren die Gäste am Drücker. Ziegner holte den Bankdrücker Boyd auf den Platz. In der 89. Minute geschah das Wunder: Bo yd nahm einen Ball von Pascal Sohm volley an, verlängerte diesen noch mal volley und zog aus über 30 Metern völlig überraschend für Torhüter Leo Weinkauf. ab »Ich hab’s wirklich so gewollt, ohne Scheiß, aber noch mal schaff’ ich das nicht«, verteidigte sich der Traumtorschütze nach Abpfiff. Halle ist wieder Zweiter, drei Punkte hinter Duisburg.

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