Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 02.12.2019, Seite 1 / Inland
Parteitag der AfD

Lautstarker Protest in Braunschweig

Demonstranten stören AfD-Bundesparteitag. Chrupalla löst Gauland als Kovorsitzenden ab
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»Stoppt die AfD«: Demonstranten am Sonnabend auf dem Braunschweiger Europaplatz

Gegen den AfD-Bundesparteitag in Braunschweig haben am Wochenende Tausende Menschen demonstriert. Mehr als 2.000 Polizisten aus mehreren Bundesländern schützten die Veranstaltung mit knapp 600 Delegierten der rechten Partei. Schon am frühen Sonnabend protestierten mehrere hundert Menschen an der Volkswagen-Halle, in der die AfD tagte. Sie riefen unter anderem »AfD-Faschistenpack – wir haben euch zum Kotzen satt«. Nach Angaben der Polizei nahmen an insgesamt 15 Veranstaltungen deutlich mehr als 20.000 Demonstranten teil. Die Polizei hatte die Halle weiträumig abgesperrt. Auch Wasserwerfer standen bereit.

Auf dem Bundesparteitag wurde am Sonnabend Tino Chrupalla zum Nachfolger von Alexander Gauland an die Parteispitze gewählt und Jörg Meuthen als Kovorsitzender bestätigt. Der Bundestagsabgeordnete Chrupalla setzte sich in einer Stichwahl gegen seinen Fraktionskollegen Gottfried Curio mit 54,51 Prozent durch. Meuthen war gleich im ersten Anlauf mit 69,18 Prozent der Stimmen erfolgreich. Zu stellvertretenden Parteivorsitzenden wurden Alice Weidel (76,47 Prozent), der frühere Vorsitzende des Rechtsausschusses im Bundestag, Stephan Brandner (61,90), und Beatrix von Storch (50,98) gewählt.

Die erste AfD-Riege gab sich zuversichtlich, bald an einer Regierung beteiligt zu sein. »Das größte Wählerpotential sehe ich im bürgerlich-konservativen Lager«, sagte Chrupalla. Brandenburgs AfD-Vorsitzender ­Andreas Kalbitz, der am Sonntag wieder in den Bundesvorstand gewählt wurde, betonte, die Partei müsse vor allem in Westdeutschland stärker werden. Und Gauland, der am Sonntag von knapp 91 Prozent der Delegierten zum ersten Ehrenvorsitzenden der Partei gewählt wurde, sagte: »Wenn Grüne, Rote und Dunkelrote zusammengehen, wird der Tag kommen, an dem die geschwächte CDU nur noch eine Option hat: uns.«

Die Delegierten lehnten es derweilen ab, das Verhältnis zur extrem rechten »Identitären Bewegung« neu zu regeln. Ein Antrag, diese vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung von der Unvereinbarkeitsliste zu streichen, wurde nicht auf die Tagesordnung gesetzt. (dpa/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

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