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Aus: Ausgabe vom 28.11.2019, Seite 8 / Ansichten

Bundeswehrmachtsstreich des Tages: Uniform-Meme

Von Michael Merz
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Screenshot des Instagram-Posts der Bundeswehr

Im aktuellen Spiegel ist nachzulesen, welch Euphorie unter deutschen Landsern herrscht, seit Annegret Kramp-Karrenbauer die Befehlsgewalt hat. Endlich ist die alte Chefin nach Brüssel weggelobt, die ihren Mannen einst ein »Haltungsproblem« attestiert hatte. Wie böse, das verletzte die zartbesaiteten Soldatenseelen. Die Neue hingegen streichelt Egos und schiebt Wägelchen mit belegten Brötchen durch die Büros im Bendlerblock. Kleiner Snack zwischendurch, dann wieder »Wolfenstein« zocken. Und abends zum Fackelmarsch, der war ja auch ’ne Weile ausgefallen.

Irritierend nur, wenn Kramp-Karrenbauer Sätze sagt wie diesen vor anderthalb Wochen: »Die Bundeswehr ist sich ihrer historischen Verantwortung vollauf bewusst.« Was soll das nun wieder heißen? Zeit, Grenzen auszuloten, dachte sich die Social-Media-Kompanie und postete auf Instagram eine Majorsuniform der Wehrmacht. Zwischen allerlei Lametta aus Eisernen Kreuzen, Reichsadler und Verwundetenabzeichen – selbstverständlich alles im Original, also mit Hakenkreuzen –, photoshoppten die Cyberkrieger den flippigen Schriftzug »retro«. Dazu die Erklärung: »Auch Mode ist ein Aspekt. Bis heute halten sich militärische Stilelemente in der Haute Couture.« Wow, ob im Vernichtungsfeldzug oder im ICE-Sitz, stets schick unterwegs. Beides ohne dafür zu bezahlen, wohlgemerkt.

Doch das Meme hielt sich nicht lange im Kanal. Statt dessen folgte eine windelweiche Entschuldigung, das sei ja alles gar nicht so gemeint gewesen. Ursprünglich sei »eine Fotostory zum jahrhundertlangen Einfluss von Uniformen auf die Mode« (sic) geplant gewesen. Zu Kreuze zu kriechen, dem christlichen wohlgemerkt, passte wiederum den Instagram-Followern so gar nicht: »Zeigt endlich mal Eier!«, »Für was entschuldigen?« Die Frage stellte übrigens »fraaanzl18«. Er dient laut Eigenauskunft in der »Division Niederschlesien«.

Debatte

  • Beitrag von Hans-Georg T. aus B. (28. November 2019 um 05:58 Uhr)
    Eigentlich ist das Zeigen von Symbolen der Nazidiktatur in Deutschland ja verboten, aber es kommt immer noch drauf an, wer sie zeigt. Jetzt sind die Nazischergen längst wieder salonfähig, nach nur knapp 80 Jahren. Das Unrecht »verjährt«, und man weiß nicht, ob man wütend und entsetzt sein oder Angst haben soll, wohin das nun wieder führen wird. »AKK« klingt ja schon ziemlich schmissig – mit Anklang an »KKK«. Ein böses Omen? Es ist einfach nur noch widerlich.

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