Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 28.11.2019, Seite 5 / Inland
Politcharge

Keine der fachlichen Kompetenzen

Architekten gegen SPD-Politiker Pronold als Direktor der Bauakademie
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Florian Pronold (SPD) soll Gründungsdirektor der Berliner Bauakademie werden

Rund 180 Architekten, Kuratoren und Museumsdirektoren haben gegen die Ernennung des SPD-Politikers Florian Pronold zum Gründungsdirektor der Berliner Bauakademie protestiert. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesumweltministerium besitze nicht die Qualifikationen für das Amt, zudem habe es dem Auswahlverfahren an Transparenz gefehlt, heißt es in einem offenen Brief an den zuständigen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und den Stiftungsrat der Bundesstiftung Bauakademie.

Pronold habe keine der geforderten fachlichen Kompetenzen für den Posten aufweisen können, schreiben die Architekten in der am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme. Entgegen den Anforderungen sei der Jurist in der Welt des Bauens nahezu unbekannt. Er könne weder Fachpublikationen noch Museumserfahrung vorweisen. Damit werde eine Chance vergeben, die Bauakademie als Architekturzentrum mit internationaler Ausstrahlung zu etablieren.

Zu den Unterzeichnern gehören die Architekten HG Merz, Christoph Ingenhoven, Louisa Hutton, Jan Kleihues, Volkwin Marg und Gesine Weinmiller, der Präsident der Technischen Universität Berlin, Christian Thomsen, die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und der frühere Hamburger Oberbaudirektor Jörn Walter.

Das federführende Innenministerium erklärte auf Anfrage, der Stiftungsrat sei bei der Personalie der Empfehlung der Findungskommission gefolgt. »Dem ging ein formelles und geordnetes Bewerbungsverfahren voraus«, heißt es weiter. Der Findungskommission gehörten demnach Fachjuroren und politische Vertreter an. Sie habe sich nach »intensiver und sorgfältiger Befassung« mit den Bewerbungen und den Gesprächen mit den Kandidatinnen und Kandidaten der engeren Wahl einstimmig dafür entschieden, dem Stiftungsrat Pronold zu empfehlen.

Pronold war Mitte November zum Gründungsdirektor der Bundesstiftung Bauakademie ernannt worden. Der 46jährige Politiker aus Bayern soll die vom preußischen Baumeister, Architekten und Stadtplaner Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) gegründete Akademie wiederbeleben – deren »Gebäude« es seit Jahren als eine inzwischen wackelige Attrappe nahe dem ebenfalls reanimierten Berliner Hohenzollernschloss zu bestaunen gibt. Diese historisch bedeutsame Institution soll ein Forum für Themen rund um Architektur, Bauwesen und Stadtentwicklung sein.

Zur Begründung der Personalie hieß es damals, Pronold – ein ehemaliger bayerischer Juso-Vorsitzender – bringe große politische und fachliche Erfahrung aus seiner früheren Tätigkeit als für Bau zuständiger Staatssekretär mit, insbesondere auch im bisherigen Entstehungsprozess der Bundesstiftung Bauakademie. (dpa/jW)

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