Schwarzer Kanal
Gegründet 1947 Mittwoch, 11. Dezember 2019, Nr. 288
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 26.11.2019, Seite 5 / Inland
Unweltschutz

Klima-Unis für die Zukunft

Studenten beteiligen sich an »Fridays for Future«-Streik
RTX2G5MT.jpg
Viele Studierende kämpfen mit 60-Stunden-Wochen. An den Klimaschutzprotesten beteiligen sie sich trotzdem

Lange fragte man sich, wo die Studierenden bei den Klimaprotesten von »Fridays for Future« blieben. Die Schülerbewegung, die mit den Klimastreiks begann, hatte die Hochschulen als politische Speerspitze abgelöst. Durch das Bachelor-Master-System auf Karriere und Leistung getrimmt, von Nebenjobs und Prüfungsstress beengt, fiel es vielen Studierenden nicht leicht, sich an den Protesten zu beteiligen. Das hat die Bewegung »Students for Future« seit April dieses Jahres nachgeholt und maßgeblich dazu beigetragen, dass bei den letzten Freitagsdemonstrationen vermehrt Studierende sichtbar in Erscheinung traten.

Am Montag riefen die Studenten erneut bundesweit zu Aktionen für mehr Klimaschutz auf. Vom 25. bis 29. November sollen sich viele Universitäten in Seminaren, Vorlesungen und Workshops mit Auswegen aus der Klimakrise beschäftigen und sich der breiten Bevölkerung öffnen. Hochschulen sollen in dieser Woche zu Public Climate Schools werden, wo es nicht nur um die direkten Auswirkungen des Klimawandels geht, sondern auch eine kritische Betrachtung der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen stattfinden soll. Am 29.11. endet die »Aktionswoche« mit den großen, weltweit stattfindenden »Fridays for Future«-Demonstrationen.

Gründe zu streiken haben die Studenten und Schüler genug: Die vom »Klimakabinett« der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen empfinden viele als unzureichend wenn nicht sogar als Schlag ins Gesicht derjenigen, die seit Monaten auf die Straße gehen und sich bei den Klimaprotesten engagieren. Die hochschulpolitische Sprecherin der Partei Die Linke im sächsischen Landtag Anna Gorskih heißt die Iniative gut: »Das sollte eigentlich immer so sein, denn in Hochschulen soll kritische Reflexion stattfinden und der Status quo in Frage gestellt werden.« Laut einer Pressemitteilung des studentischen Bundesverbandes FZS ist es dafür aber notwendig, dass Studenten und Studentinnen die Hochschulen mitgestalten dürfen. »Die Landesregierungen ebenso wie die Hochschulleitungen müssen sich endlich des Schadens bewusst werden, den die Verschulung und der Abbau demokratischer Mitbestimmung verursachen.« (jW)