Schwarzer Kanal
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Aus dem Kontinuum

Von Rafik Will
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Wie jetzt – ohne Auto leben?

Es passieren so viele schlimme Dinge auf der Welt, da darf nicht auch noch das Auto sterben! Mit dieser Geisteshaltung wird die »Mobilitätswende« in Deutschland angegangen. Zum Erhalt des Individualverkehrs auf den Autobahnen wird dabei auch auf Hybrid- und Elektroautos gesetzt. Deren Ökobilanz ist allerdings kaum besser. Es wäre an der Zeit, Abschied zu nehmen vom Konzept »Auto«. Sachdienliche Hinweise liefert Günther Wessels Feature »Ohne Auto leben?! Die Mobilität der Zukunft« (NDR 2019; Di., 20 Uhr, NDR Kultur). Bernd Kempker und Carola Veit kümmern sich dann um eine für den Dramatiker Beckett prägende Zeit: »Zwischen Nazis und Nofretete – Samuel Becketts Berliner Tagebücher 1936/37« (DLF 2007; Di., 20.10 Uhr, DLF).

In »Streitmächte – Appsolute Ausbeutung« (Mi., 17 Uhr, Radio Corax) geht es um den Widerstand gegen eine von Apps gesteuerte Arbeitswelt, aber auch um den Arbeitskampf von in dieser Welt lohnabhängig Beschäftigten. Fahrdienstleister Uber und Essenslieferdienste werden unter die Lupe genommen. Privatdetektiv Brenner begibt sich mutmaßlich ohne Lupe, aber mit geschärftem Blick für kriminelle Aktivitäten Geistlicher in ein katholisches Jungeninternat in Salzburg. Wolf Haas’  »Silentium!« (ORF/BR 2005; Teil 1/2 Mi., 20.05 Uhr, Bayern 2) thematisiert die Missbrauchsfälle im System Kirche und einen Selbstmord, der wahrscheinlich keiner ist.

Thilo Guschas und Helgard Haug sind mit »Chinchilla Arschloch, waswas« (WDR 2018; Mi.,21 Uhr, HR 2 Kultur) präsent. Erst vor kurzem haben sie dafür den »Deutschen Hörspielpreis der ARD« bekommen. Im Stück unternehmen ein Vater mit Tourette-Syndrom und seine erwachsene Tochter einen Trip an die Ostsee. Nochmal Eltern-Kind-Beziehung: Irmgard Maenner erzählt vom Zusammenleben einer Frau und deren dementer Mutter: »Teure Schwalben« (DLF Kultur 2019; Ursendung Mi., 22 Uhr, DLF Kultur).

Ein Arzt sollte seine Patienten nicht im Keller einsperren, aber es gibt Ausnahmen, wie Thomas Jonigks »Liebesgeschichte« (SWR 2017; Do., 22 Uhr, SWR 2) verdeutlicht. Eine Bandprobe war Improvisationsbasis des Hörspiels »Rauschunterdrückung – Ein Aufnahmezustand« (Ulrich Bassenge, WDR/SRF 2019; Do., 22 Uhr, DLF Kultur). Jaap Blonk und Josef Klammer öffnen die Hörbühne für eine Schlacht vor sich hin brabbelnder synthetischer und menschlicher Stimmen: »Communicating Monologues – Being There is Everything« (Ars Electronica 2018; Fr., 0 Uhr, DLF Kultur)

Der 2018 gestorbene Soziologe Horst Bosetzky erlangte größere Bekanntheit durch Krimis, die er unter dem Pseudonym -ky veröffentlichte. Von ihm stammt auch das Originalhörspiel »Ein Mord zur rechten Zeit« (WDR 1973; Fr., 19 Uhr, WDR 3 und Sa., 17 Uhr, WDR 5). Hier werden Fließbandarbeiter Zeugen eines Verbrechens, woraus sie für sich einen Vorteil zu ziehen suchen.

Das neue Hörspiel von Thomas Meinecke heißt »Der Tod kommt auf einem bleichen Pferd« (BR 2019; Ursendung Fr., 21 Uhr, Bayern 2). Ebenfalls neu ist Lutz Hübners und Sarah Nemitz’ Krimi »Furor« (DLF Kultur 2019; Sa., 0 Uhr, DLF). Empfehlenswert auch das Feature »Viele Wege führen zur Freiheit – Subhas Chandra Bose oder die andere Geschichte von der indischen Unabhängigkeit« (ORF 2019; Sa., 9 Uhr, ORF Ö 1) von Gerald Navara und Elisabeth Stratka. Auf der gleichen Welle kommt Josef Winklers Beschäftigung mit der österreichischen Nazivergangenheit »Lass dich heimgeigen, Vater oder Den Tod ins Herz mir schreibe« (ORF 2019; Ursendung Sa., 14 Uhr, ORF Ö 1). Und wer sich für die Parallelen zwischen Apfeltaschen und Raumtaschen interessiert, sollte Martin Heindels Sci-Fi-Stück »Im Raum« (WDR 2019; Ursendung Sa., 19 Uhr, WDR 3 und Wdh. So., 17 Uhr, WDR 5) einschalten.

Und eine Ursendung noch: Jan Peter Bremers »Der kurze Weg« (HR 2019; So., 14 Uhr, HR 2 Kultur). Der Protagonist überfährt mit dem Fahrrad das Kind seines besten Freundes und fliegt aus dem Raum-Zeit-Kontinuum.

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