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Aus: Ausgabe vom 19.11.2019, Seite 5 / Inland
Erneuerbare Energie

Windenergiegipfel für Branche zu spät

Altmaier wegen Mindestabstandsregel von Anlagen in Bedrängnis. Enercon hält an Stellenabbau fest
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Windenergieanlagen im brandenburgischen Greiffenberg stehen nicht weit von Einfamilienhäusern entfernt

Angesichts der Flaute beim Ausbau der Windenergienutzung und der drohenden Stellenstreichungen hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Vertreter der Branche zu einem Treffen am Montag abend im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin eingeladen. Auf der Tagesordnung stand auch die von der Bundesregierung geplante pauschale Mindestabstandsregel für Windkraftanlagen, die für heftige Kritik aus den Reihen der Fachverbände sorgte. So nannte der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, die Regelung am Samstag gegenüber dpa einen »fatalen Fehler«.

Nicht nur die Branche, auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und die Umweltminister der Länder lehnen den entsprechenden Passus in Altmaiers Entwurf für ein Kohleausstiegsgesetz vehement ab. Laut dem Entwurf soll es künftig einen Mindestabstand von einem Kilometer zwischen Windrädern und Wohngebieten gebe. Dabei gelten fünf nebeneinanderstehende Häuser bereits als Wohnsiedlung. Diese Regelung werde nach Meinung von Experten den weiteren Ausbau von Windkraftanlagen enorm behindern.

Der Wirtschaftsminister versuchte dennoch die Gemüter mit dem Treffen zu besänftigen und sprach von einem zweiten Branchentreffen zur Windenergie. Im Gegensatz zum »Windgipfel« Anfang September sind diesmal nur einzelne Branchenvertreter eingeladen. Es gehe um die Lage der Unternehmen. Besonders zu schaffen macht Altmaier hier der Fall Enercon.

Zuletzt hatte der Windkraftanlagenbauer harte Einschnitte angekündigt, durch die bis zu 3000 Stellen in Deutschland wegfallen würden. Aber auch nach einem Krisentreffen mit Politikern aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt letzte Woche hält Enercon am angekündigten Stellenabbau fest. Mögliche Schritte der Bundesregierung zur Wiederbelebung der Windenergiebranche könnten den Jobabbau nicht mehr verhindern. »Die Maßnahmen, die wohlwissend jetzt angepackt werden können und die kurz- und mittelfristiger Natur sind, kommen jetzt zu spät«, sagte Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig am Mittwoch in Hannover. Die Verlagerung der Produktion von Rotorblättern ins Ausland, mit der der Jobabbau zusammenhängt, sei alternativlos. (AFP/dpa/jW)

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