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Aus: Ausgabe vom 19.11.2019, Seite 2 / Ausland

Schwere Randale in Hongkong

Stadtregierung denkt über Verschiebung von Kommunalwahl nach
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An der Polytechnischen Universität von Hongkong am Montag

Nach erneuten schweren Ausschreitungen in Hongkong am Wochenende und am Montag erwägt die Regierung eine Verschiebung der für nächsten Sonntag geplanten Kommunalwahl. Die Ereignisse des Wochenendes hätten die Chancen verringert, die Wahlen für die Bezirksräte wie geplant abhalten zu können, sagte am Montag der Sekretär für Verfassungs- und Festlandsangelegenheiten, Patrick Nip, nach Angaben des Rundfunksenders RTHK. »Eine Verschiebung der Wahl ist eine schwierige Entscheidung, und wir werden diesen Schritt nicht unternehmen, solange es nicht absolut notwendig ist.«

Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, kam es am Montag morgen zu mehreren lauten Explosionen in der Stadt. Danach habe es einen Brand am Eingang der Hongkonger Polytechnischen Universität gegeben. Hunderte Randalierer hielten sich am Sonntag in der Hochschule verschanzt. Einer der AFP-Journalisten berichtete von maskierten Bogenschützen sowie Spähern mit Ferngläsern auf dem Dach. Am Sonntag war ein Polizist durch einen Pfeilschuss am Bein verletzt worden. Nach Angriffen mit Pfeil und Bogen, Molotowcocktails und Steinschleudern hatte die Polizei mit einem Vorgehen mit scharfer Munition gedroht.

Nachdem sich die Proteste der sogenannten Demokratiebewegung zunächst auf Wochenenden beschränkt hatten, liegt mittlerweile das öffentliche Leben in der Finanzmetropole auch unter der Woche weitgehend lahm. Auch das Wirtschaftsleben leidet weiter unter den Ausschreitungen: Immer mehr asiatische Fluglinien streichen wegen der gewaltsamen Proteste Flüge nach Hongkong. Wie am Montag aus Angaben des auf die Beobachtung von Flugplänen spezialisierten Branchendienstes »Routes online« hervorgeht, kürzten etwa die indische Fluggesellschaft Spice Jet, Malaysias Air Asia, die südkoreanische Jeju Air oder die philippinischen Fluglinien PAL und Cebu Air die Zahl der Flugverbindungen nach Hongkong für die nächsten Wochen. Auch verschiedene chinesische Fluglinien, darunter Air China und China Eastern beantragten eine Kapazitätsreduzierung. Im Oktober sank die Zahl der Flüge am Hongkonger Flughafen um 6,1 Prozent, die Zahl der Passagiere ging um 13 Prozent zurück, wie der Betreiber am Sonntag mitteilte. (jW/AFP/Reuters/dpa)

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