Schwarzer Kanal
Gegründet 1947 Sa. / So., 7. / 8. Dezember 2019, Nr. 285
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 18.11.2019, Seite 12 / Thema
Havanna, die Schöne

Keine fremden Herren mehr

Zum 500. Jahrestag der Gründung Havannas
Von Volker Hermsdorf, Havanna
RTX1NZH3(1).jpg
Auch das ist Havanna: Kubanischer Brutalismus

Die Bevölkerung Havannas hat am Sonnabend gemeinsam mit Gästen aus aller Welt den 500. Gründungstag der kubanischen Hauptstadt gefeiert, die sich zu ihrem runden Geburtstag wieder zu Recht als »Perle der Karibik« bezeichnen darf. Was für die mehr als zwei Millionen Einwohner der größten Antillen-Metropole am Wochenende vor allem ein riesiges Volksfest war, hatte durch die Anwesenheit internationaler Prominenz aus Kultur, Wirtschaft und Politik für die sozialistische Inselrepublik auch eine gewichtige politische Bedeutung. Herausragend war dabei der am Donnerstag vergangener Woche beendete viertägige Besuch des spanischen Königspaars, das zwar in Katalonien derzeit nicht willkommen ist, dessen Visite für die kubanische Regierung aber einen hohen Symbolwert hat. Das von Felipe VI. bekundete Interesse, die Kooperation zwischen Spanien und Kuba in Politik, Wirtschaft und Handel auszubauen, demonstrierte, dass Washington bei den aggressiven, aber erfolglosen Versuchen, die karibische Insel zu isolieren, nicht einmal mehr auf konservative Herrschaftshäuser zählen kann.

Trotzdem beeinträchtigte die seit fast 60 Jahren bestehende US-Blockade, die von der Regierung Donald Trump durch zusätzliche Sanktionen weiter verschärft wird, die Vorbereitungen der Feierlichkeiten. Nachdem Washington im September durch Druck auf ausländische Reedereien fast alle Treibstofflieferungen nach Kuba blockiert hatte, wurde das Land von einer umfassenden Energie- und Versorgungskrise erschüttert. »Estos no son días de fiesta« (dies sind keine Tage zum Feiern), war bis Ende Oktober oft in Havanna zu hören. Nur zwei Wochen später waren die Folgen der jüngsten US-Aggression allerdings kaum noch wahrzunehmen. Dank ihres Erfindungsreichtums und der solidarischen Hilfe Venezuelas, Chinas, Russlands und anderer befreundeter Nationen haben die im Umgang mit Engpässen erfahrenen Kubaner viele Folgen der jüngsten Krise binnen kurzer Zeit überwunden.

Umfassende Restauration

Zum Geburtstag hat sich die Stadt herausgeputzt und präsentiert sich heute von ihrer prächtigsten Seite. Herausragendes Beispiel ist das 1929 als Parlamentssitz eingeweihte »Capitolio«, in dem das als »Asamblea Nacional del Poder Popular« (Nationalversammlung der Volksmacht) bezeichnete kubanische Parlament künftig wieder tagen wird. »Das Capitolio steht an der Spitze der Restaurationsarbeiten, die wir aus Anlass des 500. Jahrestages der Gründung von Havanna feierlich beenden. Dies ist bedeutsam für Kuba und zeigt zugleich die Vielfalt der Arbeiten zur Wiederherstellung«, erklärte Mariela Mulet, die Investitionschefin des Projekts kürzlich vor der Presse. Die Bevölkerung hatte die Jubiläumsfeiern seit Wochen mit Ungeduld erwartet. Auf einem Großmonitor beim legendären Eiscafé »Coppelia« im Stadtteil Vedado wurden die Tage, Stunden und Minuten bis zum Ereignis angezeigt. Höhepunkt war am Sonnabend um 21 Uhr die Beleuchtung der goldenen Kuppel und das Einschalten des Scheinwerfers auf der Spitze des Kapitols. Zugleich wurde vor dem Gebäude mit einem spektakulären Feuerwerk die »Große Gala zur 500-Jahr-Feier« eröffnet.

Viele der wiederhergestellten Gebäude und Einrichtungen können künftig von allen Bürgern und Besuchern der Stadt genutzt werden. Trotz US-Blockade habe die Stadt bis zum Jubiläum mehr als 2.000 Renovierungsvorhaben beenden können, erklärte Luis Carlos Góngora, der Vizechefs des Verwaltungsrats der Provinz, in der vergangenen Woche gegenüber der Parteizeitung Granma. Er verwies unter anderem auf die wiedereröffnete zweigeschossige Markthalle »Cuatro Caminos«, in der traditionell Früchte, Gemüse, Blumen, Fisch, Fleisch und Geflügel verkauft werden. Hinzugekommen ist ein großer moderner Supermarkt mit umfangreichem Warenangebot. Auch der Nationale Botanische Garten, ein Japanischer Park, das beliebte Freizeitzentrum Lenin-Park, die Anlagen der Eisdiele »Coppelia« und ein Technologiepark im Stadtteil Cerro mit 3-D-Kinos, Flugzeug- und Schiffssimulatoren, Robotern und Computersälen gehören zu den zahlreichen neuen Angeboten. Góngora wies darauf hin, dass zudem ein großer Teil der durch einen Tornado am 27. Januar zerstörten Gebäude repariert worden sei. Die Stadt habe unter anderem 1.183 Häuser komplett wieder aufgebaut und neun Wohnanlagen neu errichtet.

Verwahrloste Schöne

Trotz der beachtlichen Wiederherstellung historischer Stätten und Gebäude bleibt Havanna eine Stadt der Widersprüche und Gegensätze. Schon 1982 war die größte erhaltene koloniale Altstadt Lateinamerikas von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Neben den renovierten Stadtteilen gibt es allerdings noch Straßenzüge mit verfallenden Häusern und bröckelnden Fassaden. Wer dies jedoch ausschließlich dem sozialistischen Systems anlastet, unterliegt einer historischen Täuschung, wie ein Text des kubanisch-französischen Schriftstellers Alejo Carpentier aus dem Jahr 1940 belegt. In seinem Aufsatz »Die Liebe zur Stadt« schrieb Carpentier knapp 20 Jahre vor dem Sieg der Revolution: »Alle Elemente der Vollkommenheit existieren in Havanna nebeneinander: eine Uferpromenade, die nur mit denen von Nizza und Rio de Janeiro vergleichbar ist, ein Klima, das Blumen zu allen Jahreszeiten blühen lässt, ein Himmel, der die Straßenpflaster nicht mit grauem Schmutz überzieht, eine geographische Lage, die am Ende jeder Straße mit Meer, Wolken oder Sonne aufwartet … Und trotzdem … Havanna ist die Stadt des Unfertigen, des Mangelhaften, des Asymmetrischen, des Verwahrlosten. Von Kindheit an sind wir daran gewöhnt, jeden Tag auf verödete Hinterhofwohnungen zu stoßen, wo sich immer ältere Blechdosen, immer unterschiedlichere Abfälle auftürmen.« Der Kampf dagegen war mit Errichtung des neuen Staates nicht beendet und scheint bis heute ein unaufhörlicher zu sein.

Zum 500. Geburtstag seiner Hauptstadt präsentiert Kuba sich als ein zwar kleines und relativ armes Land, aber als eines, dessen Einwohner erfolgreich und mutig der längsten und umfangreichsten Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade in der Menschheitsgeschichte trotzen. Eine beeindruckende Erfahrung für Besucher der Hauptstadt besteht in diesen Tagen darin, dass es den Kubanern trotz aller Schwierigkeiten offenbar gelungen ist, eine inklusive Gesellschaft zu bewahren. Auch der ärmere Teil der Bevölkerung wird ohne Abstriche medizinisch versorgt, hat Zugang zum Bildungssystem auf allen Ebenen, nimmt am gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Leben teil, hat keine Angst, aus der Wohnung vertrieben zu werden, und kann sich Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln leisten. »Einwohner von Havanna scheinen überwiegend positiv gestimmt mit Blick auf das Jubiläum«, hatte die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag festgestellt und einen jungen Familienvater mit den Sätzen zitiert: »Hier hat sich eine Menge getan zum 500. Jahrestag von Havanna. Das ist schon historisch, etwas, das wir alle feiern sollten. Und ja, wir haben versucht, das Beste draus zu machen, um den Geburtstag zu zelebrieren.« Die Versuche Washingtons und der von US-Diensten finanzierten Provokateure, das kubanische Gesellschaftsmodell zu diskreditieren, wirken derzeit noch hilfloser als sonst.

Wechselvolle Geschichte

»La Villa de San Cristóbal de La Habana« war am 16. November 1519 auf Anordnung seines Königs von dem spanischen Eroberer Diego Velázquez gegründet worden. Der Name setzt sich zusammen aus dem des Stadtpatrons (San Cristóbal) und der Bezeichnung »Habana«, unter der eine dort schon zuvor bestehende Siedlung bekannt war. Sie geht vermutlich auf den Namen des Kaziken (Häuptlings) der Taíno-Ureinwohner Habaguanex zurück. Da Kuba bis zum Jahr 1898 eine spanische Kolonie war, wurde die Stadt – aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage – für Jahrhunderte zum Brückenkopf für die Eroberung des Kontinents. Havanna war als Umschlagplatz, bedeutendstes Handelszentrum und größter Hafen die wichtigste Drehscheibe des spanischen Imperiums in Lateinamerika. Die Vermögen der Kolonialherren und die Gewinne der schmalen Oberschicht von Plantagenbesitzern und entstehender Bourgeoisie wuchsen ins Unermessliche. Bis 1868, zum Beginn des Unabhängigkeitskampfes, war Kuba zur wohlhabendsten Kolonie der Welt geworden. Ein Paradies für die Reichen, die Hölle für das wachsende Heer der Armen und die aus Afrika geraubten Sklaven. Neun Jahre nach der Stadtgründung schrieb der in Kuba geborene Priester Miguel Velázquez, Sohn einer indigenen Ureinwohnerin und eines Spaniers, Kuba sei »ein trauriges Land, beherrscht von Tyrannen und Landräubern«. Deren Interessen bestimmten auch die Politik in der Hauptstadt. Als einige Tabakpflanzer mit Waffengewalt gegen das restriktive spanische Tabakmonopol rebellierten, erließ der Stadtrat von Havanna im April 1717 ein Dekret, in dem es heißt: »Welch eine Beleidigung für Eure Majestät, wenn man zu den Waffen greift, sich also jener Mittel bedient, die nur Herrschern vorbehalten sind.«

Bereits 40 Jahre vor dem von Carlos Manuel de Céspedes am 10. Oktober 1868 begonnenen Unabhängigkeitskampf schrieb Pater Félix Varela 1824 in der Zeitschrift El Habanero: »Ob es König Ferdinand passt oder nicht, auch unabhängig davon, welcher Meinung seine Vasallen auf Kuba sein mögen: Die Revolution ist in jedem Lande unvermeidlich. Der Unterschied wird lediglich in Zeitpunkt und Verlauf bestehen.« Der kubanische Priester und Sozialreformer behielt recht. Nach der Niederlage und dem Rückzug Spaniens übergab General Adolfo Jiménez Castellanos die Regierungsgewalt allerdings am 1. Januar 1899 an General John R. Brooke, den Vertreter der US-Regierung. Kuba war weder frei noch unabhängig geworden. Statt der spanischen Fahne wehte über der Festung »El Morro« an der Hafeneinfahrt von Havanna nun das Sternenbanner. Der bis 1902 amtierende US-Militärinspekteur auf Kuba, Leonard Wood, kündigte an: »Die Insel wird allmählich nordamerikanisiert, und nach einer gewissen Zeit werden wir reiche und erstrebenswerte Besitzungen in der Welt unser eigen nennen können.« Damals, schrieb Lenin 1916 über die mit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg eingeleitete Neuaufteilung der Welt, begann ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte, »die Epoche des Imperialismus«.

Ein einziges Bordell

Für die reiche Oberschicht und eine wachsende Mittelschicht wurden in Havanna während der 1930er Jahre zahlreiche Luxusvillen und Apparte­mentblocks gebaut. Hinzu kamen Luxushotels, Kasinos und Nachtklubs. Die Stadt verzeichnete größere Einnahmen als Las Vegas. 1958 besuchten mehr als 300.000 US-amerikanische Touristen Havanna. Die Karibikmetropole wurde zum Bordell, in dessen Spielhöllen mit Drogen gedealt wurde und in dem junge einheimische Frauen ohne Angst vor Verfolgung oder Strafe belästigt, beleidigt, betatscht und vergewaltigt werden konnten. Die Stadt entwickelte sich zu einem Paradies für Mafiabosse. Unter der Schreckensherrschaft der Diktatoren Gerardo Machado und Fulgencio Batista, die sich persönlich in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß bereicherten, genossen die eingeflogenen Glamourgäste aus Chicago, New York und Miami jede Nacht eine Mordsstimmung unter Palmen. Doch nicht nur Zocker und Mafiabosse, auch die Manager der US-Konzerne waren im Dauerrausch. Das Kapital gab in Havanna richtig Gas.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es für die durch steigende Lebenshaltungskosten bereits gebeutelte Bevölkerung weiter bergab. Wer zu der kleinen Oberschicht, der korrupten politischen Kaste oder des Unterdrückungsapparats gehörte, lebte weiter in Saus und Braus. Der Rest vegetierte im Schatten. Ende der 1950er Jahre waren Millionen Kubaner mehr oder weniger erwerbslos. Das Elend in den Slums von und um Havanna nahm zu, und ihre ausweglose Lage zwang viele Menschen zu Handlungen, die sie verabscheuten und derer sie sich schämten. In den Straßen gaben Schieber, Gauner, Trickbetrüger, Spitzel, Denunzianten, billige Huren und deren schmierige Zuhälter den Ton an. Da der Bedarf an käuflichen Damen groß war, gab es in den unzähligen Bars, Cabarets und Spielhöllen in den 1950er Jahren mehr Prostituierte als Werktätige in den Fabriken. Angesichts der großen Not, des Widerstandsgeistes und einer revolutionären Tradition in Teilen des Volkes ließ sich das Eigentum der Konzerne und der wohlhabenden US-Bürger in Kuba nur mit drastischen Maßnahmen sichern. Brutale Polizeieinsätze, Folter von Verhafteten und Erschießung von Oppositionellen auf offener Straße konnten die Partystimmung der Besucher aus den USA aber nicht trüben. Das Havanna der 1940er und 1950er Jahre erstrahlte weiter im Licht der Luxushotels, und die Cadillacs rollten über die Prachtalleen in Vedado und Miramar. Die »Yumas«, wie die US-Amerikaner hier genannt wurden, kannten den Rassismus von zu Hause und deshalb störte es sie nicht, dass Schwarze in Hotels und Restaurants nur dann geduldet wurden, wenn sie tanzten, sangen, Toiletten putzten oder ein Serviertuch über dem Arm trugen. Die US-Touristen liebten die glitzernden Fassaden Havannas und nannten die Metropole stolz ihr »Monte Carlo der Karibik«. Sie wollten es behalten, wie die Börsianer und Konzernchefs in den USA ihre Gewinne.

Widerstand und Befreiung

Doch Havanna hatte auch eine andere Seite. Unweit des Kapitols befindet sich in der Mitte des Parque Central ein 1905 errichtetes Marmordenkmal des kubanischen Nationalhelden José Martí, das auch für das Ende der spanischen Vorherrschaft steht. Zuvor hatte an dieser Stelle ein Denkmal von Königin Isabella II. den Platz beherrscht. Als betrunkene US-Soldaten in den 1950er Jahren auf das Martí-Denkmal kletterten, darauf urinierten und so ihre Missachtung des kubanischen Volkes demonstrierten, kam es zum Aufstand der Bevölkerung von Havanna. Hier hatten die in dieser Zeit an der Universität von Fidel Castro mobilisierten Studenten, die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sowie fortschrittliche Handwerker und kleine Selbständige zunehmend an Einfluss gewonnen. Nach dem Sieg der Rebellenarmee waren die Guerilleros, angeführt von Fidel Castro, am 8. Januar 1959 in die Hauptstadt einmarschiert, deren Bevölkerung die Befreier mit Jubel begrüßte. Seither wird über die Belange Kubas in Havanna und nicht mehr in Madrid oder in Washington entschieden.

Havanna ist seither immer wieder Schauplatz von Kundgebungen. Bereits am 22. Januar 1959 vereinte die erste große Massendemonstration etwa eine Million Kubaner vor dem ehemaligen Präsidentenpalast, um in der »Operation Wahrheit«, die Abrechnung der revolutionären Justiz mit den Mördern der Batista-Diktatur zu fordern. Begleitet von einer Massendemonstration auf dem nach José Martí benannten Platz der Revolution, verabschiedete die »Nationale Vollversammlung des kubanischen Volkes« dann am 2. September 1960 die »Erste Deklaration von Havanna«. Darin werden die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen verurteilt und die Ziele einer anderen Gesellschaftsordnung umrissen. Die Deklaration forderte die Nationalisierung monopolistischen Eigentums und proklamierte das Recht der Bauern auf Landbesitz, das Recht des Arbeiters auf den Ertrag seiner Arbeit, das Recht der Kinder auf Schulbildung und das der Jugendlichen auf Ausbildung, das Recht der schwarzen und indigenen Bevölkerung auf Wahrung ihrer uneingeschränkten Menschenwürde, das Recht der Frauen auf rechtliche, soziale und politische Gleichstellung und gleiche Bezahlung sowie das Recht der Kranken auf unentgeltlichen ärztlichen Beistand und Pflege. Mit der »Zweiten Deklaration von Havanna« reagierten mehr als eine Million Menschen am 4. Februar 1962 am selben Ort auf die gescheiterte US-Invasion in der Schweinebucht und den Beginn der US-Blockade. Die Erklärung unterstrich die Bedeutung der kubanischen Revolution für Lateinamerika und betonte, es sei »falsch und unredlich, die Völker in der Illusion zu wiegen, dass man die herrschende Klasse auf legalem Wege entmachten könnte«. Das später oft zitierte Fazit der Deklaration lautete: »Die Pflicht eines jeden Revolutionärs ist es, die Revolution zu machen.«

Nicht allein

Mit dem Sieg der Revolution hatte sich die soziale Situation der Bevölkerung in Havanna zusehends verbessert. Viele Bürger erhielten zum ersten Mal in ihrem Leben Zugang zu allen Bildungseinrichtungen und Krankenhäusern. Während der 1970er und 1980er Jahre wurden zahlreiche Appartementblocks in den äußeren Stadtbezirken wie Regla oder Miramar errichtet. Aufgrund der begonnenen US-Blockade konnte der historische Bestand an Altbauten jedoch nur zum Teil und meist unzureichend erhalten werden. Anfang der 1980er Jahre wurde durch das Team des Stadthistorikers Eusebio Leal Spengler eine bis heute andauernde Sanierung in Angriff genommen, die durch Einnahmen aus dem Tourismus finanziert wird. Dem Stadthistoriker, der für seine Arbeit bereits mit Ehrungen aus aller Welt überhäuft worden ist, wurde jetzt in Havanna vom spanischen Königspaar das »Großkreuz des königlichen und angesehenen spanischen Ordens Carlos III.« verliehen, die höchste zivile Auszeichnung, die in Spanien vergeben wird.

Während Bevölkerung und Gäste derzeit in Havanna feiern, glänzen deutsche »Leitmedien« zur 500-Jahr-Feier mit Falschmeldungen. In Kuba gehe es »praktisch nicht mehr voran« meldete die »Tagesschau« am Montag vergangener Woche und behauptete: »Kreuzfahrtschiffe legen so gut wie keine mehr an, seit US-Präsident Donald Trump im Sommer die Sanktionen gegen Kuba verschärft hat.« Das war – wie üblich – bestenfalls die halbe Wahrheit, denn nur wenige Tage zuvor hatte das deutsche Kreuzfahrtschiff »MS Hamburg« in Havanna festgemacht. Für die Saison 2019/2020 bietet dieses Schiff wie die »MS Berlin« oder die »Sea Cloud II« eine Reihe weiterer Kreuzfahrten nach Havanna und zu anderen kubanischen Hafenstädten an. Am 15. November trafen außerdem rund 50 Passagiere der Rundreise »Auf den Spuren von Hemingway und Che« des griechischen Dreimast-Motorseglers »Panorama« ein. Russische Reedereien zeigen ebenfalls großes Interesse an Kuba-Touren. Die wachsende Nachfrage bestätigt ebenso wie die am 7. November erfolgte Abstimmung in der UN-Vollversammlung, bei der 187 Länder für Kuba und die Verurteilung der US-Blockade votierten und nur Israel und die faschistische Regierung Brasiliens den USA folgten, dass am 500. Gründungstag der kubanischen Hauptstadt die Insel nicht ganz allein ist.

Volker Hermsdorf schrieb am 19. Juli 2017 über die Eroberung der politischen Macht in Nicaragua durch die Sandinisten 1979.

Debatte

  • Beitrag von Josie M. aus J. (18. November 2019 um 15:59 Uhr)
    Vielen Dank an Volker Hermsdorf für diesen schönen, detailreichen und umfassenden Artikel!

    Josie Michel-Brüning, 38448 Wolfsburg

Ähnliche:

  • Spaniens Königspaar bei einer Zeremonie für den kubanischen Unab...
    16.11.2019

    Außenpolitisches Signal

    Spanien und Havanna vereinbaren Kooperationsabkommen. Madrid geht auf Distanz zu Kuba-Politik der USA
  • Man muss warten, aber es gibt ihn: Öffentlicher Nahverkehr in Ha...
    30.10.2019

    Der neue Alltag

    Kuba nach der Verschärfung der Blockade: Keine US-Fahnen, sondern Symbole des FC Barcelona. Eindrücke aus der Hauptstadt
  • Die Abgeordneten bei der Diskussion der Verfassungsreform am 22....
    10.10.2019

    In Kuba wird gewählt

    Nach Verabschiedung neuer Verfassung: Nationalversammlung stimmt über Präsidenten ab