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Aus: Ausgabe vom 18.11.2019, Seite 8 / Ansichten

Ruhepol des Tages: Dieter Kempf

Von Steffen Stierle
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Stets gelassen: BDI-Präsident Dieter Kempf

Angesichts steigender Temperaturen fällt es nicht immer leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren. Siehe Angela Merkel. Bekannt für nicht zu bändigenden Tatendrang und die ganz großen Visionen verfällt sie immer mal wieder in blinden Aktionismus. Auch beim Klimaschutz schießt die Kanzlerin weit übers Ziel hinaus.

Gut dass es noch nüchterne Experten vom Format eines Dieter Kempf gibt. Deutschlands Oberindustrieller hat nichts gegen Klimaschutz, findet ihn sogar wichtig. Aber politische Zielsetzungen müssen eben auch realistisch bleiben. Die Klimaziele für 2030 seien hingegen »magisches Denken«, gab Kempf im Interview mit dpa am Sonntag zum besten. Noch absurder als die Klimaziele sei das von Merkel unterstützte EU-Vorhaben, ab 2050 ganz ohne zusätzliche Treibhausgase zu wirtschaften. Dabei hatte sein BDI doch erst im vergangenen Jahr eine Studie herausgegeben, nach der gegenüber dem Basisjahr 1990 maximal 80 Prozent der Schadstoffemissionen eingespart werden können. Welchen Teil von »maximal 80 Prozent« hat Merkel bitteschön nicht verstanden?

Zugute halten muss man der Kanzlerin, dass auch sie letztlich nur eine Marionette ist. Die wahre Strippenzieherin hinter der sich im Klimapaket der Bundesregierung manifestierenden Ökodiktatur hat Kempf längst entlarvt: Greta Thunberg. Natürlich habe die Jugend das Recht, sich zu äußern. Nur dürfe die Bundesregierung deswegen nicht »aktionistische Politik mit überstürzten Ad-hoc-Entscheidungen« betreiben. Also bitte, Frau Merkel, einfach mal durchatmen und die Klimarettung jenen überlassen, die etwas davon verstehen. Hier braucht es keine hippeligen Politiker, sondern »die Wucht der Märkte«, wie Merkels Möchtegernnachfolgerin Annalena Baerbock am Freitag in der Frankfurter Rundschau verkündete. Bei den Grünen weiß man halt, dass blinder Aktionismus nicht hilft.

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