Schwarzer Kanal
Gegründet 1947 Montag, 9. Dezember 2019, Nr. 286
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 14.11.2019, Seite 8 / Ansichten

Hund des Tages: Mops Wilma

Von Michael Saager
Rechtsgutachten_uebe_60696776.jpg

Was würde Loriot sagen, Erfinder der hübschesten aller Hundenarrenweisheiten: »Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos«? Liebe Leser, Sie haben es gewiss erraten: Es geht um die junge Mopsdame Wilma (frühere Edda), deren Schicksal bereits vor einem Jahr die Gemüter erhitzte. Sogar die New York Times wusste vergangenen Februar darüber zu berichten. Möpse sind eben überall auf der Welt äußerst beliebt – formschön, treu und kämpferisch, immer ein bisschen melancholisch, mitunter milde verzweifelt aus ihren Glupschaugen in die Welt der Menschen blickend. Man kann sie verstehen.

Wie fassungslos-traurig erst Edda geguckt haben muss, als man sie kaltherzig pfändete, sie ihrer Familie entriss – die geliebten Bezugspersonen, gewohnte Umgebung, Körbchen, Spielzeug, Lieblingsknochen, alles weg! –, bloß weil die Ahlener ein paar Schulden zu viel hatten, und der Vollstreckungsbeamte sich – möglicherweise – dachte: Hey, prima, die haben ja einen Mops, ha, nehmen wir doch den und verhökern ihn bei Ebay, bringt bestimmt ein schönes Sümmchen. Am Ende waren es nur 690 Euro, tja. Mops Edda wurde natürlich nicht gefragt, hielt sich, vielleicht aus Angst vor weiteren Sanktionen wie so viele verängstigte Tiere, sprachlich bedeckt und landete kurz darauf ausgerechnet bei einer Polizistin aus Wülfrath, die sie auch noch Wilma nannte.

Geimpft, gechipt und nach Rücksprache mit dem Tierarzt kerngesund, soll in der Anzeige gestanden haben. Stimmte anscheinend nicht so ganz, weshalb die Polizistin u. a. für mehrere Augen-OPs einiges berappen musste. Jetzt hätte sie gern 20.000 Euro Schadensersatz von der Stadt Ahlen, das Landgericht Münster hat sich seit Mittwoch der Sache angenommen. Könnte länger dauern, denn definitiv geklärt werden soll auch die Frage, die seither sehr vielen Haustieren in Deutschland, gerade den ärmeren, den Schlaf raubt: Kann das sein, dürfen wir wirklich gepfändet werden?

Mehr aus: Ansichten