Schwarzer Kanal
Gegründet 1947 Sa. / So., 7. / 8. Dezember 2019, Nr. 285
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 13.11.2019, Seite 10 / Feuilleton

Mückenberger, Flint

Von Jegor Jublimov
Katja_Flints_Fotogra_60957430.jpg
Sah der Diva in dem Film »Marlene« frappierend ähnlich: Katja Flint

Christiane Mückenberger war bis 1990 vor allem als Filmwissenschaftlerin bekannt. Als sie dann für einige Zeit die Intendanz des »Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm« übernahm und es durch schwierige Jahre führte, stand sie ebenso im Licht der Öffentlichkeit wie mit ihren informativen Moderationen im ORB/RBB, als die Defa noch mit ganzen Programmen zum Zuge kam.

Seit 1975 war Mückenberger an der Babelsberger Filmhochschule eine wegen ihrer Kompetenz geschätzte, von faulen Studenten wegen ihrer Strenge auch gefürchtete Filmgeschichtsdozentin. Sie war die beste ihres Fachs und setzte sich besonders für osteuropäische Produktionen ein. Generationen von DDR-Filmemachern erhielten durch sie Anregungen für neue Zugänge.

Die aus Gleiwitz (heute Gliwice) stammende Wissenschaftlerin hatte ihr Slawistik-Studium an der Humboldt-Universität mit einer Promotion über Tolstoi abgeschlossen. Ihre besondere Liebe galt jedoch dem bewegten Bild. Sie lehrte am Institut für Filmwissenschaft und leitete 1965 die Abteilung Theorie und Geschichte des Films an der Filmhochschule, als am Jahresende das 11. SED-Plenum ihrer Arbeit ein Ende setzte. Noch vor ihrem Mann Jochen, der als Direktor das Defa-Spielfilmstudio leitete und bald wie so viele andere gehen musste, war sie gezwungen, sich eine neue Beschäftigung zu suchen. Ihr, wie auch weiteren ehrlich um einen weltoffenen sozialistischen Film bemühten Kollegen wurde vorgeworfen, junge Filmkünstler zu ermuntern, »kritisch gegen die sozialistische Gesellschaftsordnung, unser Leben und unseren Staat gerichtete Filme zu schaffen«. Bevor sie an die Filmhochschule zurückkehren konnte, musste sie ein Jahrzehnt als Übersetzerin überwintern. Morgen ehrt das Filmmuseum Potsdam zusammen mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung die Lehrerin und Publizistin anlässlich ihres 90. Geburtstages mit einem Filmabend.

Marlene Dietrichs Stellvertreterin auf Erden ist am Montag 60 Jahre alt geworden. Katja Flint spielte die Diva in dem Joseph-Vilsmaier-Film »Marlene« (2000) und sah ihr dabei frappierend ähnlich. Die Niedersächsin, die im Lauf der Jahre Heiner Lauterbach, Bernd Eichinger und Peter Handke in ihren Bann zog, begann ihre Bühnenlaufbahn in München und hat seit 1982 in mehr als 100 Kino- und Fernsehfilmen vor der Kamera gestanden, darunter »Der Venusmörder« (1996), »Herzentöter« (2006) und das Märchen »Jorinde und Joringel« (2011). Anfang dieses Jahres überraschte sie das Publikum in Rostock mit ihrer ersten Einzelausstellung als Fotografin, und auch hier gab es begeisterte Kritiken.

Mehr aus: Feuilleton