Schwarzer Kanal
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Tief gefallen

Von Marek Lantz
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Wird vielen fehlen: TSV 1860 Münchens Trainer Daniel Bierofka trat am 6. November zurück

Endzeitphantasien gab es in der vergangenen Woche bei Drittliga-Skandalnudel TSV 1860 München. Grund: Trainer Daniel Bierofka, als einstiger Löwen-Bundesligaspieler aus der heute als golden verklärten Ära unter dem präsidialen Amigo-Urviech Karl-Heinz Wildmoser und dem herrisch-autoritären Trainerfeldwebel Werner Lorant zur letzten Symbolfigur für bessere Zeiten und einen geeinten Verein geworden, trat am Mittwoch zurück. »1860 ohne Bierofka? Ehrlich gesagt, nicht vorstellbar für mich«, spach Löwen-Angreifer Sascha Mölders kurz darauf aus, was viele in dem bis zur Unkenntlichkeit zerrissenen Verein denken.

Dass es aber durchaus ein Leben nach dem Tod gibt, diese nietzscheanische Erfahrung machten die Löwen am Sonnabend. Unter dem kurzfristig zum Interimscoach bestellten Oliver Beer gewann man beim Aufstiegsanwärter Hallescher FC keineswegs unverdient mit 1:0. Stefan Lex gelang kurz vor der Halbzeit das goldene Tor, mit dem sich 1860 vorerst etwas Abstand zur Abstiegszone verschaffte. Beer dürfte somit als erfolgreichster Löwen-Trainer aller Zeiten in die Historie eingehen, denn tags drauf wurde mit Michael Köllner, der vor eineinhalb Jahren den 1. FC Nürnberg in die Bundesliga führte, schon ein neuer Chefcoach präsentiert.

Köllners Kotrainer und späterer Nachfolger beim fränkischen Club hieß damals Boris Schommers. Aktuell leitet dieser mit den Kickern des 1. FC Kaiserslautern den zweiten tief gefallenen und stets für üppig Boulevard-Bohei sorgenden Traditionsverein der Drittklassigkeit an. Zumindest an diesem Wochenende fruchteten Schommers’ Maßnahmen, denn beim KFC Uerdingen – in Sachen Skandalnudeltum gewissermaßen die Nummer drei auf dieser Liste – siegte der FCK mit 3:0 und verließ immerhin wieder die Abstiegsränge. Angreifer Timmy Thiele legte zweimal auf und markierte den Treffer zur 3:0-Entscheidung persönlich.

Spitzenreiter bleibt unterdessen der zwar ebenfalls tief gefallene, aber längst nicht so skandalumwitterte MSV Duisburg. Mit 2:1 setzte sich der MSV dank des späten Siegtreffers von Vincent Vermeij bei Hansa Rostock durch und führt die Tabelle vor dem FC Ingolstadt und der SpVgg Unterhaching an. Einen Achtungserfolg verbuchte im tiefsten Tabellenkeller schon am Freitag Schlusslicht Carl Zeiss Jena, das bei Viktoria Köln zu einem 2:2 kam. Anton Donkor sicherte dem FCC in der Schlussminute den sechsten Zähler der Saison. Angesichts von zehn Punkten Rückstand zum rettenden Ufer bleibt der Klassenerhalt aber nach wie vor ein eher utopisches Ziel.

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