Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 12.11.2019, Seite 16 / Sport
Tennis

Die Show ist zu Ende

Frankreich schlägt Australien im letzten Fed Cup seiner Art
Von Peer Schmitt
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Aufschlag vor dem Fall: Ashleigh Barty in ihrem Match gegen Caroline Garcia (9.11.)

Es war das letzte Fed-Cup-Finale im alten Format, und es fand an symbolischem Ort statt. Australien empfing Frankreich in Perth, von 1989 noch bis zu diesem Jahr der Austragungsort des Hopman Cup, der den Reformen im Profitennis zum Opfer gefallen ist, um nicht zu sagen dem schnöden Mammon des ominösen ATP Cup. Einen Hopman Cup wird es im kommenden Jahr nicht mehr geben, genausowenig wie einen Fed Cup im gewohnten Heim- bzw. Auswärtsspielmodus. Letzterer wird nächstes Jahr als einwöchiges Turnier vom 14. bis zum 19. April in Budapest ausgetragen. Zwölf Teams werden dabei in vier Dreiergruppen aufgeteilt. Für die Budapester Woche bereits qualifiziert sind die diesjährigen Finalisten Australien und Frankreich, Ungarn als Gastgeber sowie dank »Wildcard« das die nunmehr ablaufende Dekade dominierende Team der Tschechischen Republik.

Für Puristen war das letzte Fed-Cup-Finale des Jahrzehnts also auch gewissermaßen das letzte überhaupt. Es sollte die große Show der aktuellen Weltranglistenersten Ashleigh Barty werden, die vor dem Finale seit 2018 weder im Einzel noch im Doppel ein einziges Fed-Cup-Match verloren hatte und innerhalb von zwei Jahren das australische Team aus der obskuren Weltgruppe II bis ins Finale führte.

Barty kam als Gewinnerin der WTA Finals in Shenzhen nach Perth und schien unantastbar zu sein. Dementsprechend war zunächst auch ihr Auftritt vor 13.000 Zuschauern. In der ersten Einzelbegegnung am Samstag zerstörte sie Caroline Garcia mit 6:0, 6:0. Ein klares Zeichen schien gesetzt. Eine Spielerin aber hatte gegen den totalen Barty-Triumph etwas einzuwenden, ausgerechnet die oft so unglücklich agierende Kristina Mladenovic, die zum Beispiel im Finale von 2016 gegen die Tschechische Republik in ihrem Einzel gegen Karolina Pliskova noch 14:16 im dritten Satz unterlegen war.

Mladenovic glich zunächst gegen Ajla Tomljanovic mit einem souveränen 6:1, 6:1 Sieg aus. Für die in Zagreb geborene Tomljanovic war es ihr erstes Match für das australische Team. Sie ist seit 2018 australische Staatsbürgerin und war dank einer kurzfristigen Entscheidung der verantwortlichen ITF (International Tennis Federation) erst wenige Wochen vor dem Finaltermin spielberechtigt.

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Für ein Wochenende die beste Spielerin der Welt: »Kiki« Mladenovic kann’s kaum fassen

Der Sonnabend endete also ausgeglichen 1:1. Das Einzel zwischen Barty und Mladenovic sollte vorentscheidend sein. Auch hier schien alles zunächst nach Plan zu verlaufen. Die Weltranglistenerste gewann den ersten Satz spielerisch leicht 6:2. Im zweiten Satz hatte sie bei 4:3 eine Breakchance, um danach zum Matchgewinn aufzuschlagen. Mladenovic wehrte sie ab, durchbrach danach zum ersten Mal Bartys Aufschlag und servierte den zweiten Satz mit 6:4 aus. Im entscheidenden dritten schlug sie ebenfalls bei 5:4 zum Matchgewinn auf. Ihre Nerven versagten zunächst. Sie gab ihr Service game zu null ab und vergab im darauf folgenden Aufschlagspiel von Barty drei Breakchancen. Es kam schließlich zum Tie-Break, der erst im vorigen Jahr im dritten Satz von Fed Cup Matches eingeführt worden war, um Marathonbegegnungen wie die legendäre zwischen Mladenovic und Pliskova 2016 zu vermeiden. Mladenovic dominierte den Tie-Break 7:1. Barty war geschlagen.

Zwar verlor die vom neuen Kapitän des französischen Teams, dem glamourösen alten Davis-Cup-Schlachtross Julien Benneteau, anstelle von Garcia im zweiten Einzel des Sonntags eingesetzte Pauline Parmentier gegen Tomljanovic glatt mit 4:6, 5:7, aber ein zweites Mal nach der Niederlage 2016 gegen Tschechien ließen sich Mladenovic und Garcia nicht die Chance entgehen, den Fed Cup im alles entscheidenden Doppel doch noch zu gewinnen.

Die gegenseitige Antipathie von Mladenovic und Garcia ist aktenkundig. Gemeinsam gewannen sie 2016 die French Open im Doppel, trennten sich im Streit und verloren im selben Jahr gemeinsam das Fed-Cup-Finale in Strasbourg. Nicht so dieses Mal in Perth. Das französische Doppel lag zwar gegen Ashleigh Barty und Samantha Stosur im ersten Satz schnell 0:2 zurück, spielte danach aber so makellos wie glücklich. Garcia/Mladenovic gewannen 6:4, 6:3 und damit den allerletzten Fed Cup der Dekade und überhaupt. Kristina »Kiki« Mladenovic war für ein glückliches Wochenende die beste Spielerin der Welt (in Einzel und Doppel).

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