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Aus: Ausgabe vom 09.11.2019, Seite 10 / Feuilleton

Ich bin so frei

Von Gerd Adloff

Ich bin ja tiefstes 20. Jahrhundert, wenn einer auf der Straße

vor sich hinspricht, laut, so denke ich noch immer, da hat jemand

’nen kleinen Mann im Ohr, und weiß, es ist zumeist ein kleiner Knopf

und ja, vielleicht gewöhn ich mich noch dran, wie an die vor sich

starrenden Smartphonistas, es steht mir schließlich frei, rasch auszuweichen

wie auch den Selfiemachern, die auch schon mal Laternen rammen

wenn’s hart kommt, auch von Klippen stürzen, ob das ein tolles Foto lohnt?

Es steht mir frei, nicht mitzutun. Ich habe ein paar Freunde, die ich alle noch

persönlich kenne, und Follower, nein danke, muss nicht sein.

Macht euer Ding, habt Spaß, habt Sex, so richtig schmutzig, dreckig

vorher geduscht oder auch nicht, doch solltet ihr dabei vielleicht nicht reden

Alexa hört und übernimmt, bestellt und leitet weiter, doch wer die Überraschung

liebt, der liebt halt wie er liebt. Na dann, auf jeden Fall viel Spaß.

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