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Aus: Ausgabe vom 09.11.2019, Seite 8 / Ansichten

Arme Teufel des Tages: Superreiche

Von Jan Greve
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Werden sich Superreiche bald die Drittyacht nicht mehr leisten können?

Diese Meldung macht betroffen: »Vermögen der Superreichen schrumpft«, titelt Spiegel online am Freitag morgen, und zwar ganz oben auf der Internetseite. »Die Wirtschaftskrise kommt auch bei Superreichen an«, ist der nächste Paukenschlag. So richtig rund wird die Story aber erst durch den Bezug zum Nationalen: »Wohlhabende Deutsche sind besonders betroffen.« Oha.

Was ist da los in der Welt der Ausbeuter und Charaktermasken – Verzeihung, in der der Reichen und Schönen? Auf jämmerliche 8,5 Billionen US-Dollar sei das weltweite Gesamtvermögen der Milliardäre im Jahr 2018 geschrumpft. Laut der »Beratungsgesellschaft« PwC und der Schweizer Großbank UBS ist das ein Rückgang von 4,3 Prozent. Die Gründe: schwächelnde Konjunktur und internationale Handelskonflikte. Bleibt bis hierhin eigentlich nur die Frage: Wo ist das Spendenkonto angegeben, damit unsereins den schwer Gebeutelten endlich etwas zustecken kann?

Immerhin: Spiegel online liefert die Information mit, dass 2017 eine Rekordsumme von 8,9 Billionen US-Dollar beim Gesamtvermögen erreicht worden war. Zudem sei die Geldmenge in den vergangenen fünf Jahren um mehr als ein Drittel gewachsen. Läuft also doch nicht so schlecht für die Superreichen. Ihre Zahl fiel leicht, auf 2.101 Personen. Bei rund 7,7 Milliarden Menschen auf dem Planeten entspricht das übrigens einem Anteil von 0,00003 Prozent. Die Crème de la Crème de la Crème, gewissermaßen.

Wohl wahr, sich permanent den von Arbeitern erwirtschafteten Mehrwert anzueignen, ist kein Zuckerschlecken. Bemitleidenswerte mittelständische Familienunternehmer müssen tagtäglich mit ihrem Namen für ihre Betriebe einstehen. Der Dank: Risiken, Verluste und dann auch noch der ganze Stress. Aber keine Sorge, liebe Kapitalisten: Wir können die Trennung der Produktivkräfte von den Produktionsmitteln gerne aufheben. Heute schon was vor?

Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus Berlin (10. November 2019 um 00:51 Uhr)
    Aber, Herr Greve,

    woher stammen Ihre Zahlen und Angaben? Seit wann wird mitgeteilt, wer wie und wo seinen Reichtum zur Kenntnis gibt? Sind Sie mit den Reichen im Gespräch und wissen von denen, weil sie auf einen Schlag ehrlich sind, welche Schätze sie besitzen? Haben sie Ihnen alles verraten?

    Deshalb rechnen wir mit Ihren Zahlen. Doch es bleibt dabei: Das Desinteresse übersteigt die kühnsten Erwartungen. Dagegen können Sie vorgehen.

    Freundliche Grüße!

    scharmann

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