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Aus: Ausgabe vom 02.11.2019, Seite 5 / Inland
Automobilbranche

Fusion alarmiert Opel

Peugeot und Fiat-Chrysler wollen zum viertgrößten Autokonzern der Welt aufsteigen
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Von den versprochenen Investitionen ist nichts zu sehen. Die IG Metall wirft dem Opel-Management Wortbruch vor

PSA, der Zusammenschluss der Automarken Citroën, DS, Opel, Peugeot, Vauxhall und Fiat-Chrysler-Automobiles (FCA) wollen zusammen der viertgrößte Autokonzern der Welt werden: Am Donnerstag gaben das französische und das italienisch-US-amerikanische Konglomerat bekannt, sich auf offizielle Fusionsgespräche verständigt zu haben. Ergebnis wäre ein »Champion« mit mehr als ­­400.000 Beschäftigten und Hunderten von Fabriken weltweit. Der neue Konzern könne 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr absetzen, hieß es in der Mitteilung. Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund wären größer als der neue Autoriese. Er käme auf einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro und einen jährlichen Betriebsgewinn von mehr als elf Milliarden Euro. Die Konzerne versicherten weiter, dass sich mit einer Fusion Spareffekte in Höhe von 3,7 Milliarden Euro erzielen ließen, ohne im Zuge des Deals eine Fabrik zu schließen.

Gewerkschaften in Frankreich und Italien reagieren alarmiert auf die Fusionspläne. Die französische CGT und die italienische Fiom-Cgil kündigten am Donnerstag abend ihre Zusammenarbeit zur Sicherung von Arbeitsplätzen an. Aber auch bei der PSA-Tochter Opel rumort es. Bereits mit der der Übernahme durch Peugeot haben die Rüsselsheimer schwer zu kämpfen. Betriebsrat und Gewerkschaft werfen dem Management um Opel-Chef Michael Lohscheller vor, den von beiden Seiten im Sommer 2018 abgeschlossenen Zukunftstarifvertrag zu verletzen. Dieser sieht unter anderem bis 2023 Investitionen in Milliardenhöhe an allen deutschen Standorten vor. Das Management hat bislang nichts davon geleistet.

Angesichts der sich nun anbahnenden Fusion von PSA und FCA gehen Gewerkschafter davon aus, dass es bei Opel noch enger wird. Die IG Metall pocht auf die Eigenständigkeit der vor zwei Jahren von PSA übernommenen Tochter Opel. Für den Rüsselsheimer Autobauer gilt eine Jobgarantie bis Mitte 2023. Die Gewerkschaft verlangte laut Handelsblatt vom Mittwoch weitere Investitionszusagen zu Teilbereichen an den Standorten Rüsselsheim und Kaiserslautern. Die geplante Schließung des Rüsselsheimer Teilelagers müsse zurückgenommen werden.

Spekulationen über mögliche negative Folgen für die deutschen Opel-Standorte seien »kontraproduktiv und schädlich«, erklärte der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger, in Frankfurt am Main. Die IG-Metall werde sich daher daran nicht beteiligen. Unterdessen warnte die hessische Landesregierung vor negativen Folgen: »Die Zukunftsfähigkeit von Opel muss gesichert sein«, forderten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in Wiesbaden. Ein Zusammenschluss berge Chancen, dürfe aber nicht zu Lasten des Autobauers und der deutschen Standorte in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach gehen, sagten sie. (dpa/jW)

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