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Aus: Ausgabe vom 02.11.2019, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Mit einem Bang in die »Festivalwoche«

Von Arnold Schölzel
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Gelegentlich müsse »man schon daran erinnern, dass die Vereinigten Staaten und Deutschland enge Partner sind«, mahnt FAZ-Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger am Freitag. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe das eben zum Abschluss des »Deutschlandjahres« in den USA getan und vor allem »daran erinnert, dass es nicht zuletzt dieses Amerika war, dem Deutschland seine Einheit in Freiheit zu verdanken hat«. Ergebener lassen sich die Tage bis zum 9. November nicht einleiten, die auf der Internetseite der »Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur« als »Festivalwoche« angekündigt werden. Frankenberger hat aber Sorgen: Wer »die transatlantische Partnerschaft für obsolet« halte, werde »schnell merken, wie einsam es um uns wird, von unserer Verwundbarkeit ganz abgesehen«.

Dem Mann wird in derselben FAZ-Ausgabe geholfen. Sein Kollege Peter Carstens liefert unter der Überschrift »Zur Abwehr bereit« Hoffnung. Im Untertitel gibt er bekannt: »Das amerikanische Heer verlegt im nächsten Frühjahr Tausende Soldaten zum Manöver nach Europa. Russland soll wissen: Wir wollen und wir können noch.«

Was das heißt? Jeder Angreifer, »gemeint sind hier natürlich russische Verbände«, so Carstens, »soll wissen, dass man es beim Angriff auf einzelne Truppenteile des Bündnisses alsbald mit der ganzen Wucht der NATO zu tun bekommt«. Genauer: Mit der U. S. Army. Die habe zwar 2013 ihre letzten Panzer aus Europa abgezogen, aber nun blüht alles wieder auf: »Große Materiallager in Belgien und Deutschland wurden neu befüllt. Sie können ganze Brigaden mit allem, was benötigt wird, versorgen, vom Kampfpanzer bis zur Drahtschere.« Es ist ein Fest: »Seit Anfang 2017 wird unter dem Namen ›Atlantic Resolve‹ (Atlantische Entschlossenheit) alle neun Monate eine vollständige amerikanische Brigade quer durch Europa zu Übungen und turnusmäßigem Wechsel an die Ostgrenzen der NATO gebracht« – 5.000 Mann, 2.500 Fahrzeuge und Container per Schiff, Eisenbahn und Straße. Es »wird auch im Urlaubsverkehr geübt«, und die EU fördere »die Verkehrsinfrastruktur nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten oder für Flix-Busse, sondern auch unter militärischen Gesichtspunkten«. Und: Die baltischen Staaten erhalten endlich mitteleuropäische statt russischer Spurbreite für ihre Bahngleise. Zivilisation in Osteuropa!

Das ist aber längst nicht alles. Der FAZ-Mann zitiert US-General Christopher Cavoli, Kommandeur der US-Truppen in Europa: »We are starting it with a bang – Wir fangen mit einem Knall an.« Es wird geklotzt: 20.000 GIs kommen im Frühjahr 2020 über den großen Teich, die »größte Verlegübung dieser Art seit einem Vierteljahrhundert«. Mit Soldaten aus zehn Staaten »sollen 37.000 Teilnehmer der Übung ›Defender 20‹ an die Ostflanke der NATO verlegt werden. Dazu kommen 33.000 Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Lastwagen, Jeeps und Materialcontainer, von denen zwei Drittel ebenfalls über den Atlantik verschifft werden.«

Gibt es Schöneres als 33.000 Panzer etc., die kurz vorm 75. Jahrestag des Sieges über den Faschismus an der russischen Grenze auffahren? Es ist ein Traum: Der Führer hatte 1941 so etwa 5.000 Panzer. Carstens vermerkt, dass Die Linke und AfD schon jetzt defätistisch gegen »unverantwortliche Eskalation« und »Drohgebärden gegen Russland« stänkern, vergisst lediglich, dass die AfD rund 2.100 Soldaten unter ihren Mitgliedern und nichts gegen die Bundeswehr hat. Die Botschaft von allem, so Carstens, laute: »Es ist gut, wenn sich die Länder des europäischen Kontinents auch in Zukunft auf gute Freunde und Verbündete verlassen können.«

Frankenberger kann beruhigt in die Festivalwoche gehen. Der 9. November 1989 wird gefeiert – mit einem Bang.

Gibt es Schöneres als 33.000 Panzer etc., die kurz vorm 75. Jahrestag des Sieges über den Faschismus an der russischen Grenze auffahren? Es ist ein Traum: Der Führer hatte 1941 so etwa 5.000 Panzer.

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