Gegründet 1947 Sa. / So., 23. / 24. November 2019, Nr. 273
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 02.11.2019, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Gerechte Ordnung oder Untergang

Fidel Castro sprach wiederholt vor internationalen Gremien über die Gefahren von Umweltzerstörung, Klimawandel und deren Ursachen
RTS20QD9.jpg
Die Küstenwache Sri Lankas versucht, eine Öllache an einem Strand zu beseitigen (September 2018)

Rede auf der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung am 12. Juni 1992 in Rio de Janeiro:

Eine bedeutende biologische Gattung ist aufgrund der schnellen und progressiven Beseitigung ihrer natürlichen Lebensbedingungen vom Aussterben bedroht: der Mensch.
Wir werden uns jetzt dieses Problems bewusst, wo es fast zu spät ist, es zu verhindern. Es muss darauf verwiesen werden, dass die Konsumgesellschaften die Hauptverantwortlichen für die grausame Vernichtung der Umwelt sind. Sie entstanden aus den ehemaligen Kolonialmetropolen und der imperialen Politik, die die Rückständigkeit und die Armut verursachte, welche heute die immense Mehrheit der Menschheit geißeln. Obwohl nur 20 Prozent der Weltbevölkerung in ihnen leben, verbrauchen sie zwei Drittel des Metalls und drei Viertel der Energie, die auf der Welt erzeugt wird. Sie haben die Meere und Flüsse vergiftet, die Luft verschmutzt, die Ozonschicht geschwächt und Löcher in ihr entstehen lassen, haben die Atmosphäre mit Gasen angereichert, die die klimatischen Bedingungen beeinträchtigen, was katastrophale Auswirkungen hat, die wir schon zu spüren beginnen.

Die Wälder verschwinden, die Wüsten weiten sich aus, Milliarden Tonnen fruchtbarer Erde enden jährlich im Meer. Zahlreiche Arten sterben aus. Der aus dem Bevölkerungszuwachs resultierende Druck und die Armut führten zu verzweifelten Maßnahmen, um selbst auf Kosten der Natur das Überleben zu sichern. Man kann dafür nicht die Länder der Dritten Welt beschuldigen, die gestern Kolonien waren und heute durch die ungerechte Weltwirtschaftsordnung ausgebeutete und ausgeplünderte Nationen sind.

Die Lösung kann nicht sein, die Entwicklung jener zu verhindern, die sie am meisten brauchen. Wahr ist, dass alles, was heute zur Unterentwicklung und zur Armut beiträgt, offenkundig die Ökologie beeinträchtigt. Zig Millionen Männer, Frauen und Kinder sterben jährlich in der Dritten Welt infolge dessen, mehr als in den beiden Weltkriegen. Der ungleiche Austausch, der Protektionismus und die Auslandsverschuldung greifen die Ökologie an und fördern die Zerstörung der Umwelt.

Wenn man die Menschheit vor der Selbstzerstörung retten will, müssen die Reichtümer und die verfügbaren Technologien des Planeten besser verteilt werden. Weniger Luxus und weniger Verschwendung in einigen wenigen Ländern, damit weniger Armut und weniger Hunger in großen Teilen der Erde herrscht. Kein Transfer von umweltzerstörenden Lebensstilen und Konsumgewohnheiten mehr in die Dritte Welt. Das menschliche Leben muss rationaler werden. Eine gerechte internationale Wirtschaftsordnung muss durchgesetzt werden. Alle notwendigen wissenschaftlichen Forschungen sollen für eine nachhaltige Entwicklung ohne Umweltverschmutzung eingesetzt werden. Es soll der Hunger verschwinden und nicht der Mensch.

Jetzt ist die angebliche Bedrohung durch den Kommunismus nicht mehr da, und es bleiben keine Vorwände für kalten Krieg, Wettrüsten und Militärausgaben. Was hindert daran, diese Mittel sofort einzusetzen, um die Entwicklung der Dritten Welt zu fördern und die Gefahr der ökologischen Zerstörung des Planeten zu bekämpfen? Schluss mit dem Egoismus, Schluss mit dem Vorherrschaftsbestreben, Schluss mit der Gefühllosigkeit, der Unverantwortlichkeit und dem Betrug. Morgen wird es zu spät sein für das, was wir schon lange gemacht haben müssten.

Aus der Rede vom 19. November 1996 beim UN-Welternährungsgipfel in Rom:

Kapitalismus, Neoliberalismus, die Gesetze eines ungezügelten Marktes, Auslandsverschuldung, Unterentwicklung, ungerechte Austauschverhältnisse sind verantwortlich für den Tod so vieler Menschen auf der Welt. Warum werden jährlich 700 Milliarden Dollar für Militärausgaben eingesetzt und nicht ein Teil dieser Ressourcen darauf verwendet, um den Hunger zu bekämpfen und gegen die Verschlechterung der Böden, die Versteppung und Abholzung von Millionen von Hektar Wald pro Jahr, die Erwärmung der Erdatmosphäre und den Treibhauseffekt vorzugehen, der zu einem gehäuften Auftreten von Wirbelstürmen führt und Regenfälle entweder ausbleiben oder zu stark werden lässt, um die Zerstörung der Ozonschicht und weitere Naturereignisse zu verhindern, die die Nahrungsmittelproduktion und das Leben der Menschen auf der Erde gefährden?
Die Gewässer werden verschmutzt, die Atmosphäre wird vergiftet, die Natur wird zerstört. Es geht nicht nur um mangelnde Investitionen, fehlende Bildung und Technologie oder um das rasche Bevölkerungswachstum. Es geht darum, dass sich die Umweltbedingungen ständig weiter verschlechtern und die Zukunft zunehmend weiter aufs Spiel gesetzt wird. Warum werden nach dem Ende des Kalten Krieges immer ausgeklügeltere Waffen produziert? Wozu will man diese Waffen überhaupt, wenn nicht, um die Welt zu beherrschen? (…)

Die Redeauszüge wurden dem deutschsprachigen Fidel-Castro-Archiv entnommen: fidelcastroarchiv.blogspot.com

Mehr aus: Wochenendbeilage