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Aus: Ausgabe vom 01.11.2019, Seite 1 / Ausland
Kolumbien

Guerilla verurteilt Massaker

Nach Mord an fünf Indígenas in Kolumbien: FARC-EP weisen Verantwortung zurück
Von Santiago Baez
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Trauer um die fünf ermordeten Indígenas am Mittwoch in Bogotá

Kolumbiens FARC-Guerilla hat das Massaker an fünf Indígenas in der Provinz Cauca scharf verurteilt. In einem am Mittwoch (Ortszeit) verbreiteten Kommuniqué weist die Gruppe – die im August den Friedensprozess in dem südamerikanischen Land für gescheitert erklärt hatte und zurück in die Illegalität gegangen war – jede Verantwortung für das Verbrechen zurück. Die Täter seien keine Guerilleros unter dem Kommando der FARC-EP gewesen, heißt es in der über soziale Netzwerke verbreiteten Stellungnahme.

Am Dienstag waren das Oberhaupt der Neehwe’sx-Gemeinde, Cristina Bautista, sowie vier Angehörige der zum Selbstschutz gebildeten »Indigenen Wache« ermordet worden. Der Indigenenrat des Cauca (CRIC) machte für das Verbrechen die in der Region aktive »Kolonne Dagoberto Ramos« verantwortlich. Diese Splittergruppe hatte den Friedensprozess zwischen den FARC-EP und der kolumbianischen Regierung abgelehnt und sich von der Organisation abgespalten. Auf Flugblättern nutzt sie aber weiter das Logo der Guerilla.

Hintergrund des Verbrechens sind offenbar Auseinandersetzungen zwischen dieser Gruppe, Einheiten der Guerillaorganisationen ELN und EPL, Paramilitärs und Drogenbanden um die Kontrolle des Gebiets, in dem Koka-Anbauflächen liegen und durch das wichtige Schmuggelrouten führen. Die Selbstverwaltung der Indígenas ist den illegalen Gruppen dabei im Weg.

Kolumbiens Staatschef Iván Duque hat angekündigt, als Reaktion auf das Massaker 2.500 Soldaten in die Provinz zu entsenden. Sie sollten das Gebiet kontrollieren, die Routen der Drogenhändler schließen sowie kriminelle Organisationen zerschlagen, hieß es. Für die Indígenas ist die Militarisierung allerdings keine Lösung, sie sehen die Staatsmacht als Teil des Problems. Erst am Montag war im Cauca ein führendes Mitglied der Landarbeitergewerkschaft Astrazonacal sowie der linken Bewegung »Marcha Patriótica«, Flower Jair Trompeta Paví, von Soldaten der kolumbianischen Armee festgenommen worden. Zwei Stunden später wurde seine Leiche entdeckt.

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