Gegründet 1947 Freitag, 22. November 2019, Nr. 272
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 16.10.2019, Seite 8 / Ansichten

Sitzenbleiber des Tages: CDU Sachsen-Anhalt

Von Susan Bonath
CDU_Landesparteitag_59434949.jpg
Den Schlüssel zur Macht möchte die Union keinesfalls aus den Händen geben (Foto vom 17.11.2018, Röblingen, Sachsen-Anhalt)

Heute schon den Nachwuchs auf Marktwirtschaft getrimmt? Geht es nach der CDU in Sachsen-Anhalt haben Schülerinnen und Schüler genau das dringend nötig. Mathe? Deutsch? Oder gar Sozialkunde? Völlig überschätzt. Betriebswirtschaftler, kurz BWLer, sollen einem neuen Konzept des CDU-Landesvorstandes zufolge künftig Schulen leiten dürfen. Also die Leute, die schon Karl Marx als Vulgärökonomen bezeichnet hatte. Darüber berichtete am Dienstag zuerst die regionale Tageszeitung Volksstimme. Damit will die selbsterklärte »dynamische Mitmachpartei« nicht weniger, als dem grassierenden Lehrermangel beikommen. Begründung: Heutige Schulleiter könnten dann mehr unterrichten, und offene Stellen wären schneller zu besetzen.

Damit nicht genug. Ob Bildung, Niedriglohn oder Migration: Kein Problem in Sachsen-Anhalt scheint der CDU zu schwierig. Bis 2030 will sie all diese lösen und schwingt schon mal den Rohrstock. Dem Niedriglohnsektor als Mitursache für Kinder- und Altersarmut etwa will die Partei mit noch niedrigerem Salär begegnen. Der bundesweit gültige Mindestlohn solle »für ungelernte Kräfte keine Anwendung mehr finden«.

Eins sei noch erwähnt: Die CDU selbst hat all die Probleme mitverursacht. Seit 2002 sitzt sie durchgängig als stärkste Partei in der Landesregierung, seit 2016 zusammen mit der SPD und den Grünen. Dort will sie, den Blick auf 2030 gerichtet, nicht nur bleiben. »Spätestens dann wollen wir mit mindestens 50 Prozent allein die Regierung in Sachsen-Anhalt bilden«, gibt die Volksstimme die Höhenflüge der CDU wieder. So seien »Koalitionen immer Kompromisse und tun uns nicht gut«. Ob die Partei für die nötige Beschaffung der Wählerstimmen heimlich auf die Überzeugungskraft von BWL-Schulleitern hofft? Für die Teilnahme an »Fridays for Future« jedenfalls wird der Karzer wieder eröffnet.

Mehr aus: Ansichten