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Online Extra
09.10.2019, 19:34:51 / Ausland

Türkische Offensive gegen Syrien

Mit Bombardements der syrischen Stadt Ras Al-Ayn hat die Türkei
Mit Bombardements der syrischen Stadt Ras Al-Ain hat die Türkei ihre Offensive gegen Syrien am Mittwoch begonnen

Die Türkei hat am Mittwoch eine weitere Militärinvasion in Nordsyrien begonnen. Kampfjets beschossen die Grenzstadt Ras al-Ain, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana und der türkische Sender CNN Türk übereinstimmend berichteten. Der Sprecher der von der kurdischen Volksverteidigungseinheit YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK), Mustafa Bali, schrieb auf Twitter: »Türkische Kampfflugzeuge haben damit begonnen, Luftangriffe auf zivile Gebiete durchzuführen. Die Menschen in der Region sind in großer Panik.«

Bisher scheinen sich die Angriff auf die Ortschaften Tel Abjad und Ras al-Ain sowie deren Umland zu konzentrieren. Beide liegen etwa 120 Kilometer voneinander entfernt und nah an der Grenze zur Türkei. Am Abend gab es Berichte über erste Tote. So berichtete Bali auf Twitter, bei einem türkischen Bombardement auf das Dorf Maschrafa seien zwei Zivilisten ums Leben gekommen. Weitere seien verwundet worden. Das Rojava Informationszentrum berichtete am frühen Abend über Gefechte, unter anderem in der Stadt Manbij sowie in Jarabulus. In Manbij hätten vier »von der Türkei unterstützte Dschihadisten« getötet werden können.

Die SDK hatten am Morgen eine Generalmobilmachung ihrer Truppen verkündet. Alle seien aufgerufen, sich an die Grenze zu begeben, um in diesem »kritischen historischen Moment« Widerstand zu leisten, hieß es in einer Erklärung am Mittwoch. Nach Angaben des Rojava Informationszentrums gaben die SDK am Nachmittag bekannt, ihre gegen den »Islamischen Staat« (IS) gerichteten Operationen ruhen zu lassen, um sich ganz der Verteidigung Rojavas widmen zu können.

Wie das Internetportal Middle East Eye am Mittwoch berichtete, machten sich im Gefangenenlager Al-Hol festgehaltene IS-Kämpfer sowie deren Angehörige die Situation zu nutze. In dem Camp, in dem etwa 60.000 Menschen leben, sei Chaos ausgebrochen, nachdem Bewaffnete gegen die kurdischen Sicherheitskräfte vorgegangen seien. »Es gibt Angriffe auf Wachpersonal und die Campleitung, außerdem werden Zelte angezündet und Sprengstoff vorbereitet«, erklärte der für die Beaufsichtigung der Gefangenenlager verantwortliche Mammud Kro gegenüber dem Portal.

Zudem wurden einzelne Berichte über Angriffe auf türkisches Staatsgebiet verbreitet. So erklärte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu, zwei Mörsergranaten seien im Zentrum der Stadt Ceylanpinar eingeschlagen. Im Zentrum des türkischen Grenzbezirks Nusaybin seien sechs Raketen gelandet.

Wie die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch mitteilte, wird sich der UN-Sicherheitsrat am Donnerstag in einer sogenannten Dringlichkeitssitzung mit der türkischen Offensive in Nordsyrien befassen. Das teilten Diplomaten am Mittwoch in New York mit. Die Dringlichkeitssitzung war von mehreren Ländern, unter ihnen Deutschland und Frankreich, beantragt worden. (AFP/dpa/jW)

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