Gegründet 1947 Dienstag, 15. Oktober 2019, Nr. 239
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 11.10.2019, Seite 12 / Thema
DDR-BRD

»Sagen wird man über unsre Tage«

Errungenschaft und angesichts eines wiedererstarkten, kriegslüsternen deutschen Imperialismus schmerzlich vermisst: die DDR. Zum 70. Jahrestag ihrer Gründung
Von Arnold Schölzel
da.jpg
Friedensland und Land des proletarischen Internationalismus: Solidaritätsveranstaltung von Pionieren und FDJlern gegen die Einmischung der USA in Nicaragua, 1984

Wir dokumentieren im folgenden die Rede, die Arnold Schölzel auf der von junge Welt ausgerichteten Festveranstaltung zum 70. Jahrestag der Gründung der DDR »Sagen wird man über unsre Tage« am 7. Oktober im Freizeitforum Berlin-Marzahn gehalten hat. (jW)

Ein Gedicht Kurt Barthels, genannt KuBa, endet mit den Worten: »Sagen wird man über unsre Tage: doch den Kriegen folgte jene Zeit der Wettbewerbe / und diese Zeit war der Anbeginn.«

Die Biographie Kurt Barthels, geboren 1914 als Sohn eines Eisenbahners und Kriegsgegners, gestorben 1967 in Frankfurt am Main, wohin er mit einem Programm zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution gefahren war, steht wie stellvertretend für Herkunft und Ziel des ostdeutschen Staates, der DDR, der mit Recht Anspruch erhob, die gesamte fortschrittliche deutsche Nation zu repräsentieren. Malergeselle in Chemnitz, im März 1933 als 18jähriger Flüchtling in der Tschechoslowakei, Fortsetzung der Flucht nach England und dort als »feindlicher Ausländer« zunächst interniert, dann Bauarbeiter in London, Eheschließung mit der jüdischen Emigrantin Ruth Berlowitz und mit ihr Rückkehr im Oktober 1946 in das zerstörte Berlin. Sein Freund, der Übersetzer und Lyriker Erhard Scherner schrieb vor fünf Jahren zum 100. Geburtstag KuBas im Neuen Deutschland: »Ich erlebe ihn in der Volkshochschule, ein schmaler Mann mit Sommersprossen und Rotschopf, keine Schönheit. KuBa liest und erzählt, rückt die Hornbrille, sein Gesicht blüht auf, er zieht den Saal in seinen Bann. Im zerstörten, hungernden Berlin spricht ein Mann vom Leben, von Schuld und von einer besseren Zukunft – dieses im Heute das Morgen Sehen: ein Wesensmal seiner Poetik. Was gab es Besseres, als den Zweifelnden oder Verzweifelten in Nachkriegsdeutschland Mut zu machen. (…) Eher beiläufig gibt KuBa seine Geschichte preis. Ich höre von Dichtern, und er bietet die Gedichte dazu, auswendig: von Omar, dem Zeltemacher aus dem alten Persien, bis zu Walt Whitman, Jiri Wolker, Majakowski und Brecht. KuBas unkonventionelles, spontanes Wesen, seine den Jüngeren zugewandte Offenheit, sprach uns an. Der konnte träumen. War kein Maulredner. Glaubte, was er sagte. Das gilt ebenso für seine Texte, auch für die ›Kantate auf Stalin‹ von 1949 (Musik Jean Kurt Forest).« Ja, da war manches klischeebeladen, formal unvollkommen, und zugleich, wie sich am oben zitierten Gedicht zeigt, sehr Beständiges. In der DDR wurden manche seiner Werke scharf kritisiert, andere wie die Ballade von Störtebeker große Publikumserfolge. In der Bundesrepublik ist er Unperson, einer der meistgeschmähten oder einfach totgeschwiegenen Dichter des ostdeutschen Staates. Das ist folgerichtig. Einer, der das »Französische« und das »Jüdische Partisanenlied« für das »Liederbuch der Nationalen Volksarmee« übertrug, konnte und kann im Staat der als Bundeswehr wiedergegründeten Wehrmacht nur als Feind betrachtet werden.

Kriegsstaat

Die beiden vom deutschen Imperialismus entfesselten Weltkriege und die von ihm hervorgebrachte faschistische Diktatur bestimmten das Leben und das Werk KuBas – wie in umgekehrtem Sinn auch das seiner Gegner. Hier »Anbeginn«, dort Revanche für die Niederlage von 1945. Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein schrieb 1961 in einem Sonderheft der Zeitschrift Magnum unter der Überschrift »Waffen statt Politik«: »Die neue deutsche Armee wurde nicht gegründet, um den Bonner Staat zu schützen, sondern der neue deutsche Staat wurde gegründet, um eine Armee gegen die Sowjets ins Feld zu stellen«. So sei »militärischer Druck die Quintessenz bundesrepublikanischer Staatsräson« geworden.

Wohl wahr, lässt sich dazu fast 60 Jahren später sagen: Wer wie die damals in Bonn Regierenden mit Hilfe von Aufrüstung und dem Schmieden von Angriffskoalitionen die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges rückgängig machen wollte, ja sogar nach eigenen Atomwaffen strebte, der hatte die Völker, alle Vernunftbegabten in beiden Teilen Europas gegen sich, vor allem aber in Gestalt der DDR eine stabile, verteidigungsbereite Barriere vor sich.

Das zeigte sich in den Jahren um 1960, als das Säbelrasseln des Westens umschlug in Angriffsvorbereitungen und konterrevolutionäre Operationen an der kubanischen Playa Girón im April 1961; als die führenden Generäle der Bundeswehr in einer »Denkschrift«, die im August 1960 öffentlich bekannt wurde, schrieben: »Der Bolschewismus respektiert nur die Macht, sonst nichts (…). Die Bundeswehr kann weder auf die allgemeine Wehrpflicht noch auf die Zugehörigkeit zur NATO, noch auf eine atomare Bewaffnung verzichten.«

1962 führte diese sogenannte Politik der Stärke fast über die Schwelle eines Atomkrieges zwischen den USA und der UdSSR. Das wiederholte sich nach dem NATO-Doppelbeschluss von 1979 und der Raketenstationierung in der BRD und in Westeuropa 1983. Die DDR setzte damals in einer noch gefährlicheren Situation als 1962 auf eine »Koalition der Vernunft« in Ost und West.

Diese Politik der Stärke wird heute in der Hochrüstung und Einkreisungspolitik gegenüber Russland und China erneuert. Der deutsche Imperialismus ist überall, wo der Westen auf der Erde Krieg anzettelt, vorn mit dabei. Er hat sich nach dem Ende der DDR und der Sowjetunion wieder auf den Weg gemacht, sich einen »Platz an der Sonne« zu sichern, vorerst nicht allein, sondern stets in Koalitionen. Festgeschrieben wurde das bereits 1992, kurz nach dem Anschluss der DDR, in den »Verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundeswehr«: Weltweite militärische Aktivität zur Sicherung der Rohstoffversorgung und der Handelswege. Das bedeutet Krieg und ständige Vorbereitung darauf. Diese Bundesrepublik, in der wir seit 1990 leben, ist ein Kriegsstaat. Der Satz, der auf dem Transparent der Initiative »Unentdecktes Land« steht: »Diese Grenze wurde aufgehoben, damit wir wieder gemeinsam in den Krieg ziehen«, fasst die historische Bedeutung der DDR als deutscher Friedensstaat in knapper Form zusammen.

Heute wird sogar erneut über eine deutsche Atombombe öffentlich nachgedacht, nur spricht niemand mehr darüber, dass sie selbstverständlich eingesetzt werden soll. Vor 60 Jahren bekannte man sich im Bundestag noch offenherzig dazu, auf Leipzig oder Dresden Atombomben abzuwerfen. Aber es vergeht praktisch kein Tag, an dem nicht das System der Rüstungskontrolle und Abrüstung, das in den 70er und 80er Jahren entstand, vom Westen torpediert wird. Auch hier macht die Bundesrepublik mit. 16 Tage nach dem mutwillig durch die USA mit Unterstützung aller NATO-Partner herbeigeführten Ende des INF-Vertrages am 2. August 2019 testete Washington eine landgestützte Mittelstreckenrakete mit einem Waffensystem wie es in Rumänien bereits vor Jahren aufgestellt wurde und in Polen aufgestellt werden soll. Drei Tage nach dem Test erklärte der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) in Moskau kühl, dessen Vorbereitung habe den INF-Vertrag nicht verletzt. So füllen Bundesregierung und ihre Verbündeten unter der Überschrift »militärische Zurückhaltung« ein Pulverfass. Sie wollen Krieg, weil sie nicht anders können, weil es Teil der Existenzweise des Imperialismus ist.

Friedensstaat

Vor diesem Hintergrund ist erst historisch zu verstehen, was es hieß: »Die Deutsche Demokratische Republik ist der erste deutsche Friedensstaat.« Walter Ulbricht formulierte dies in seiner programmatischen Rede vor der Volkskammer nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Staatsrats der DDR am 4. Oktober 1960. Damals beschrieb er die Situation, die er 15 Jahre zuvor bei der Rückkehr aus dem Exil vorgefunden hatte, so: »Ich werde nie vergessen, wie Berlin 1945 aussah. Die Stadt war ein Trümmerhaufen. Kann sich in diesem noch rauchenden Meer von Ruinen denn Leben entwickeln, fragten wir uns. (…) Es war erschütternd zu sehen, wie mutlos und ratlos viele vor den Trümmern standen und wie das Erbe des Faschismus in mehr als einer Hinsicht auf den Menschen lastete. (…) Es war damals nicht nur ein wirtschaftliches Chaos, sondern es war ein Chaos im Denken und Fühlen der Menschen. Damals ging es nicht nur um die Organisierung des Allernotwendigsten zum Leben, damals galt es, neu zu beginnen, den Menschen Weg und Ziel eines neuen Lebens zu zeigen, ihren Lebensmut wieder zu stärken.«

Was das DDR-Staatsoberhaupt hier beschrieb, bedeutete in den Augen fast aller Zeitgenossen und sogar von Teilen der CDU den völligen Bankrott der deutschen Bourgeoisie, des deutschen Großkapitals.

Erst vor diesem Hintergrund ist zu ermessen, welche ökonomische und politische Leistung mit der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR erbracht wurde. Die DDR ist auch aus wirtschaftlichen Gründen untergegangen, ökonomisch marode war sie als Ganzes aber nicht. Im Gegenteil: Wenn es so etwas wie ein Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland gegeben hat, dann im östlichen Teil.

Denn trotz der im Vergleich zur BRD schlechten Ausgangsbedingungen, trotz Embargopolitik und anderer Störmaßnahmen erreichte die DDR beachtliche wirtschaftliche Ergebnisse. Hier seien nur einige Zahlen herausgegriffen: Ihr Inlandsprodukt pro Kopf betrug 1990 umgerechnet 12.700 Euro, das der BRD 22.500 Euro. Die DDR lag damit im Vergleich mit kapitalistischen Ländern auf Platz 14, etwa gleichauf mit Großbritannien und Italien, aber weit vor Spanien, Portugal und Griechenland. In Ostdeutschland existierte 1945 kaum Grundstoff- und Schwerindustrie. Statt Mittel des Marshallplans zu erhalten, bestritten SBZ und DDR die Reparationszahlungen an die Alliierten fast allein. Die Stationierungskosten mitberechnet, erhielt die Besatzungsmacht 1946 fast die Hälfte (48,8 Prozent) des in der SBZ erzeugten Bruttosozialprodukts, in der Bundesrepublik war es ein Siebentel (14,6 Prozent). 1949 lagen die Transfers noch bei 20 Prozent im Osten und bei sechs Prozent im Westen. Der Historiker Arno Peters berechnete 1990 eine Summe von 721 Milliarden DM, die die DDR von der BRD als Kompensation zu erhalten habe.

Es waren vor allem Aufrüstung und Kriege des Imperialismus, die auf die DDR unmittelbar einwirkten. So löste der Koreakrieg in der Bundesrepublik einen Export- und Wirtschaftsboom aus, der als »Wirtschaftswunder« verklärt wurde. Die DDR dagegen wurde angesichts der Gefahr, die vom Koreakrieg ausging, von der sowjetischen Führung aufgefordert, ihre Militärausgaben drastisch zu erhöhen. Das hatte Kürzungen zur Folge, die mit eine Ursache für den 17. Juni 1953 waren. Systematisch wurden in jenem Jahrzehnt Fachkräfte und akademisch Ausgebildete aus der DDR abgeworben. Berechnet wurde, dass die DDR dadurch einen wirtschaftlichen Verlust von etwa 120 Milliarden Mark erlitt und die BRD sich rund 16,3 Milliarden DM an Ausbildungskosten sparte. Sicher, im Kampf um die Steigerung der Arbeitsproduktivität unterlag die DDR am Ende. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die gewaltige Wirtschaftsleistung erklärt werden muss. Sie hat etwas, lässt sich sagen, mit den sozialistischen Produktionsverhältnissen zu tun, damit, wie Hermann Kant das einmal formulierte, dass »Wir« uns ihnen, den Großkonzernen und Banken, 40 Jahre lang weggenommen haben.

Wiederkehr des Militarismus

Gleiches wurde in den Westzonen und der BRD verhindert und das Gegenteil durchgesetzt: Der deutsche Imperialismus erlebte seine Wiedergeburt durch die USA und mit Hilfe von deren Alliierten. Das politische Kalkül dahinter ist bis heute trotz des Untergangs der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Länder Europas gleichgeblieben: Kein System der kollektiven Sicherheit unter Einschluss Russlands und Deutschlands zuzulassen. Schon in den 30er Jahren hatten die Westmächte, insbesondere Großbritannien, das faschistische Deutschland als Speerspitze gegen die Sowjetunion betrachtet und jeden Vorschlag für ein solches Sicherheitssystem in Europa abgelehnt, am deutlichsten sichtbar im schändlichen Münchner Abkommen von 1938. Es ist bezeichnend, dass in den Staatsakten, Konferenzen und Publikationen, die sich in diesem Jahr dem 80. Jahrestag des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages von 1939 widmeten, München praktisch keine Rolle spielte. Das Münchner Abkommen aber war die zynische Absage an ein gemeinsames Bündnis gegen den deutschen Faschismus und die indirekte Aufforderung zum Krieg.

Heute leben wir in einer ähnlichen Konstellation. Die Speerspitze ist in Europa (aber auch in Afghanistan) gegen Russland, international gegen China gerichtet. Die Bundesrepublik stellt noch immer die wichtigste Basis für den Aufmarsch gegen Russland.

Hinzu kommt: Die Verfolgung von Nazi- und Kriegsverbrechen wurde in den Westzonen kurz nach 1945 eingestellt, entgegen den Beschlüssen der Alliierten. Trotz Auschwitz-Prozess in den 60er Jahren und trotz der Bemühungen eines antifaschistischen Staatsanwalts wie Fritz Bauer erreichten die strafrechtlichen Verfahren nie einen Umfang wie in der DDR. Die war ein antifaschistischer Staat. Ja, der Antifaschismus war in ihr »verordnet«, wie einige Schlaumeier 1989 herausgefunden haben. Sie meinten das herabsetzend. Hermann Kant hat ihnen 1993 geantwortet: »Wörter wie Galgen und Ghetto, Fallbeil, Rampe und Block; Orte wie Buchenwald, Moabit und Sachsenhausen, wie Birkenau und Theresienstadt; Namen wie Eichmann, Mengele, Höß und Freisler, ein Name wie Himmler, ein Name wie Hitler; Plätze wie Lidice, Babi Jar und Oradour oder wie Stalingrad, Leningrad, Coventry und Warschau oder wie Monte Cassino, El Alamein, Kursker Bogen und Omaha Beach; Vokabeln wie Arisierung und Gasmaske und Gaskammer und Marschbefehl und Rassenschande und Fliegeralarm und Euthanasie und Fremdarbeiter und KAZETT; Partizipien wie verschleppt, vermisst, verhungert, vergast, verbotenverbotenverboten – all dies hat so sehr ein Geschrei gemacht, dass es nicht aushaltbar war, und es empfahl uns den Antifaschismus auf eine Weise, die man, wenn nicht Nötigung, so doch Verordnung heißen könnte.

Abgefeimt, wie man sie kennt, sorgten Inhaber der Macht, dass selbst an unschuldigsten Orten kein Entkommen war vor dem, was Schuld geheißen wurde – Kindergärten benannte man nach einer wohl hingerichteten Frau Niederkirchner, Schulen nach einem wohl geköpften Herrn Guddorf, und wie freundlich krumm und lindenbesäumt ein Kleinstadtgässchen auch sein mochte – im Staate DDR war es vor der Gefahr, eines Tages per Verwaltungsakt zur Geschwister-Scholl-Straße ernannt zu werden, niemals sicher. Und nie ganz sicher blieb unsereins vor der verordnenden Kraft von Bildern, Tönen und Berichten.«

Auch das wird der DDR in einem Staat, der nicht einen Mörder in der Robe eines Richters am »Volksgerichtshof« zur Verantwortung zog, nicht verziehen. Die Spitzen der Verwaltungen, der Justiz, der Geheimdienste, der Polizei und der Bundeswehr wurden vielmehr zum großen Teil von Personal der entsprechenden Behörden des faschistischen Deutschland besetzt.

Das Anknüpfen an die Weltmachtpolitik des deutschen Imperialismus, aber auch die personelle Kontinuität und die Beseitigung der DDR, das sind die Hauptursachen für das Wiederaufleben von Faschismus und Rassismus in der heutigen Bundesrepublik.

Internationalismus

Diese Situation erinnert auch daran, dass die DDR ein internationalistischer Staat von Anfang an war. Völkerfreundschaft und proletarischer Internationalismus waren in ihr fest verankert. Sie war mit den Völkern der Sowjetunion, mit den anderen sozialistischen Ländern eng verbunden. Die DDR-Bevölkerung war bei den völkermörderischen Kriegen gegen die DVRK, gegen Vietnam oder beim Putsch in Chile 1973 bereit, materiell und moralisch größtmögliche Hilfe zu leisten. Die Kämpfer für nationale Befreiung in Afrika, Lateinamerika und Asien konnten sich auf tatkräftige Unterstützung aus dem kleinen ostdeutschen Land verlassen – die Revolution in Kuba, die Revolution in Portugal, die Sandinisten in Nicaragua, die Frelimo in Mosambik und die MPLA in Angola, der ANC Südafrikas und die SWAPO Namibias und viele andere.

Diese Solidarität, an die sich viele Menschen weltweit lebhaft bis heute erinnern, hat die Konterrevolution von 1989/1990 vernichtet. Und sie wird fast tagtäglich in den Dreck gezogen. Das gehört zu den Voraussetzungen, auf denen eine AfD aufbauen kann. Die Gegenkräfte sind schwach.

Um so dringender erscheint es, an die DDR als die bisher größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung, der breiten Bewegung gegen Faschismus und Krieg auch in dieser Hinsicht zu erinnern. Für die Sehnsucht vieler Menschen nach Frieden war und ist die DDR auch 29 Jahre nach dem Anschluss weltweit ein fester Bezugspunkt. An ihrer Politik der Vernunft und des Fortschritts wird auch die heutige BRD kritisch gemessen. Das schränkt den Spielraum der hier Herrschenden und ihres Regierungspersonals ein – noch. Um so wilder ist deren Hass auf den untergegangenen Staat, setzen sie auch 30 Jahre nach 1989 alles daran, das, wofür er stand, aus den Köpfen zu entfernen. Das ist in vieler Hinsicht nicht gelungen, auch deswegen, weil es die junge Welt und andere Zeitungen gibt und die Kultur der DDR in vieler Hinsicht lebendig geblieben ist.

Für alle fortschrittlichen Menschen in der Bundesrepublik, für die Arbeiter- und die Friedensbewegung, für zukünftige Generationen wird es von entscheidender Bedeutung sein, dass sie von der DDR und ihrer historischen Rolle erfahren, dass sie von uns, die Auskunft geben können, lernen: »diese Zeit war der Anbeginn«.

Arnold Schölzel ist ehemaliger Chefredakteur von junge Welt.

Ähnliche:

Regio: