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Aus: Ausgabe vom 10.10.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Infrastruktur

Streiks bei Alitalia

Einstieg von Investoren bei insolventer italienischer Airline verzögert sich
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Gähnende Leere am Flughafen Leonardo da Vinci in Rom (9.10.2019)

Wegen der ungewissen Zukunft bei Alitalia haben Piloten und Kabinenpersonal der italienischen Fluggesellschaft am Mittwoch protestiert. Rund 200 Flüge wurden gestrichen, wie Alitalia mitteilte. Zu dem Ausstand hatten mehrere Gewerkschaften aufgerufen. Wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete, kam es an den Flughäfen Rom-Fiumicino und Mailand-Malpensa zu keinen größeren Verzögerungen, weil die betroffenen Passagiere meist rechtzeitig informiert waren. Während zwei Garantiephasen zwischen fünf und zehn Uhr sowie zwischen 18 und 21 Uhr durfte nicht gestreikt werden.

Alitalia soll nächste Woche an neue Eigentümer übergehen. Die Airline war im Mai 2017 insolvent geworden und wurde seither von staatlichen Konkursverwaltern beaufsichtigt. Nun sollen die staatliche Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello Stato (FS), der Infrastrukturkonzern Atlantia, die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines und das italienische Finanzministerium Gesellschafter der neuen Alitalia werden. Sie müssen bis zum kommenden Dienstag ihr verbindliches Angebot vorlegen. Zuletzt hatte Atlantia Zweifel aufkommen lassen, ob die Einigung wirklich zustande kommt. Unklar ist auch noch, wie viele der derzeit rund 12.400 Beschäftigten entlassen werden. In Medien ist von 2.000 bis über 2.500 die Rede.

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte die Lage der nationalen Fluggesellschaft am Freitag als »kompliziert« bezeichnet. Zugleich hatte er sich zu Berichten geäußert, wonach die Regierung von Atlantia – das zur Familie Benetton gehört – erpresst werde. Medien berichteten von einem Brief an Industrieminister Stefano Patuanelli, in dem der Konzern den Einstieg bei Alitalia von einer Verlängerung der Konzession für seine Tochtergesellschaft Autostrade per l'Italia abhängig mache. Nach dem Brückenunglück von Genua 2018 mit 43 Toten wollen viele italienische Politiker der Autobahngesellschaft aber die Konzession entziehen.

»Ich erlaube mir nicht zu beurteilen, ob das eine Erpressung ist oder nicht«, hatte Conte am Freitag erklärt. »Ich sage nur, dass die Regierung von Anfang an sehr klar gewesen ist. Alitalia ist eine Frage, Autostrade und die bereits laufenden administrativen Schritte eine andere Frage. Für uns als Regierung ist es inakzeptabel, beides zu vermischen.« Die Frist für die Rettung der Fluggesellschaft ist mehrmals verschoben worden, nun endet sie am 15. Oktober. (dpa/jW)

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