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Aus: Ausgabe vom 09.10.2019, Seite 16 / Sport
Basketball

Positiv denken

Und an den Rebounds arbeiten: Die Lions SV Halle hoffen auf eine gute Basketballsaison
Von Oliver Rast
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Spielerin des Tages im Match gegen den TSV 1880 Wasserburg (3.10.): Forward-Center Barbora Kasparkova (l.)

Noch sind sie punktlos. Zwei Saisonspiele, zwei Niederlagen für die Lions SV Halle in der DBBL, der Basketballbundesliga der Damen. Zum Auftakt, beim »Season Opening« in Hannover, unterlagen die Löwinnen gegen die Eisvögel des USC Freiburg mit 68:73. Am zweiten Spieltag waren die Exserienmeisterinnen der TSV 1880 Wasserburg anderthalb Nummern zu groß (75:95).

Frauenbasketball in Halle hat Geschichte. »Wir sind ein absoluter Traditionsort und Rekordhalter«, betont Sebastian Tempel, sportlicher Leiter der Lions im jW-Gespräch. Vorläuferinnen der Lions, die Basketballabteilung des SC Chemie und die SG KPV 69 Halle (Sportgemeinschaft Kombinat Pumpen und Verdichter 69 Halle), errangen von 1960 bis 1990 25 DDR-Meistertitel. Nach der sogenannten Wende erreichten die Korbjägerinnen aus der Saalestadt regelmäßig die Playoffs in der höchsten Spielklasse, ebenso regelmäßig scheiterten sie im Viertelfinale.

Die vergangenen zwei Jahre lief es nicht gut. In der Saison 2017/18 stiegen die Lions sang- und klanglos ab: vier Siege, 18 Niederlagen, 8:36 Punkte, Rang zwölf, Schlusslicht. Aus dem angepeilten direkten Wiederaufstieg wurde nichts. Der dritte Platz in den Aufstiegsplayoffs der zweiten DBBL qualifizierte nicht zur Rückkehr ins Oberhaus – sportlich jedenfalls nicht. »Schützenhilfe« kam aus Westsachsen. Die Chem-Cats Chemnitz, im Endklassement auf Rang zehn knapp vor der roten Abstiegszone, gingen wegen Etatlücken freiwillig eine Etage tiefer. Durch einen Tausch des Startrechts nahmen die Lions den vakanten Platz der Chem-Cats ein, die nun in der 2. DBBL Nord antreten. »Für uns ist das eine Chance«, so Tempel. Aber: Sind die Lions als einziger Ostklub erstligareif? »Organisatorisch sehe ich uns unter den Top fünf.« Und sportlich? »Aktuell noch unter den letzten fünf.«

Dass Auf- und Abstiege im Basketball der Frauen längst nicht nur spielerisch ermittelt werden, demonstrierten in der letzten Saison zwei weitere Klubs: Die Aibling Fireballs stellten ihren Spielbetrieb im November 2018 wegen finanzieller Misere mit »sofortiger Wirkung« ein, die Eintracht Braunschweig Lion-Pride zogen sich im April 2019 aus dem Oberhaus zurück, um als Nachwuchsschmiede weiterzumachen.

Ganz weit vorn sind die Lions neben dem Parkett. Sport ist politisch, das demonstriert der Klub offensiv: »Just say no to racism!« lautet ihre Antirassismuskampagne. »Eine Herzensangelegenheit«, wie Tempel unterstreicht.

Der Klassenerhalt, ist der drin? Guard Laura Schinkel glaubt fest dran: »Wir haben viele aus dem letzten Jahr, dadurch sind wir eingespielt«, sagt sie, und die guten Neuen müssten jetzt ins Team »eingebaut« werden. Schlüsselspielerin sei Forward-Center Barbora Kasparkova, sagt Tempel. Nicht nur im Spiel gegen die Wasserburgerinnen hatte die Tschechin ihre Qualität bewiesen: Mit 16 Punkten wurde sie zur Spielerin des Tages gewählt. Verloren haben die Lions trotzdem. Basketballspiele werden in der Verteidigung gewonnen. Das weiß natürlich auch der portugiesische Headcoach der Lions José Araujo. Nach der Klatsche gegen Wasserburg sagte er: »Wir haben das Rebound-Duell klar verloren. Ein zentraler Faktor für das Ergebnis.« Noch müsse sich sein Team spielerisch-taktisch in Liga eins anpassen. Bange ist ihm nicht: »Wir werden eine gute Saison spielen.«

Das nächste Spiel findet am Sonntag (13.10.) statt. Zu Gast werden die Bas-Cats USC Heidelberg sein. Die sind direkte Konkurrentinnen um den ersten Nichtabstiegsplatz. Tempel gibt schon mal die Marschroute aus: »Pflichtsieg.« Dafür muss das Rebounding aber besser klappen.

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