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Aus: Ausgabe vom 09.10.2019, Seite 8 / Ansichten

Feuchter Traum des Tages: Wladimir Putin

Von Claudia Wangerin
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In Wirklichkeit beneiden alle Russland für seinen Staatschef Wladimir Putin

Eine Fotostrecke der Nachrichtenagentur Sputnik zum 67. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin hat im Springer-Verlag homoerotische Männerphantasien beflügelt. »Wird der wilde Wladimir weich?« fragt sich Bild-Autor Ralf Pörner, dem Putin auf aktuelleren Bildern offenbar viel zu bekleidet ist: »Wir haben uns an Fotos mit freiem Oberkörper und Gewehr gewöhnt. Ohne Hemd auf dem Pferd. Als halbnackter Hecht mit Fisch und ersten Pölsterchen auf dem präsidialen Sixpack.«

Inzwischen, orakelt der Autor, »muss in der Bauchregion etwas Schreckliches passiert sein«, da sich Putin inzwischen mit Wanderstiefeln, Steppweste, Outdoorhose und Regenhütchen beim Sammeln von Pilzen und Beeren in der Taiga zeige. Die Enttäuschung des Autors muss riesig sein: »50 Fotos, ein Video, kein Bizeps, kein Trizeps und nicht die Spur eines einzelnen Brustmuskels!« Im Anschluss geht es um die phallische Symbolik des »wirklich sehr langen Wanderstabs«. Erst in der zweiten Hälfte des journalistischen Meisterwerks geht es direkt um Politik.

Die Bezeichnung »härtester Politmacho« für Putin dürfte mindestens Donald Trump, Jair Bolsonaro und Recep Tayyip Erdogan verärgern – und die Frage, ob der Russe nun weich wird, beantwortet Pörner mit »Sicher nicht!« und einer Messerspitze Totalitarismusquatsch: »Wenn Putin aussieht wie ein netter Wanderonkel, der in ein Fotoshooting von Leni Riefenstahl geraten ist, dann will er es genau so haben!«

Es sei kaum zu erwarten, dass »Russland jetzt brav« werde. »In KGB-Taktik war Exagent Putin schon immer ein Meister: Zeige dem Gegner genau das, was er sehen will – und treibe im verborgenen deine Pläne voran!« Fragt sich nur, was der Gegner im Hause Springer sehen wollte – doch offensichtlich eher Bizeps, Trizeps, Bauchmuskeln und phallische Symbolik.

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