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Aus: Ausgabe vom 08.10.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Weitsichtig

»Zeitreise« | MDR, So., 22.20 Uhr
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Für Reformen demonstrierten DDR-Bürger noch am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz. Später hieß es: »Wir sind das Volk«

»Eto konez«, will Michail Gorbatschow am Vorabend der 40-Jahr-Feier der DDR am 7. Oktober 1989 zum polnischen Premierminister Tadeusz Mazowiecki gesagt haben. So berichtet er es in der MDR-Doku »Zeitreise«. Der Rest ist Geschichte. Wie aber wurde aus »Wir sind das Volk« »Wir sind ein Volk«? Das Copyright auf den Slogan scheint unklar. Laut Bernd Lindner, Sozialhistoriker, sei eine frühe Version eines Aufklebers diesen Inhalts am 20. November 1989 von einem Laster mit bayerischem Kennzeichen vor der Leipziger Hauptpost verteilt worden. Peter Radunski, damals CDU-Bundesgeschäftsführer, gibt an, die Idee für einen solchen Aufkleber sei in einer Klausursitzung der Partei am 16. November geboren worden. Noch früher dran war Bild: Am 11. November 1989, zwei Tage nach Mauerfall, erschien das Blatt (Titel: »Deutschland umarmt sich. Einigkeit und Recht und Freiheit«) im Innenteil mit der Überschrift: »›Wir sind das Volk‹ rufen sie heute, ›Wir sind ein Volk‹ rufen sie morgen«. Weitsichtig. (mis)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Patrick Büttner: Schoßfrüchte ... Im Eulenspiegel war seinerzeit eine Karikatur einer Demo zu sehen, die die Entwicklung des Slogans zeigte. Aus »Wir (unterstrichen) sind das Volk!« wurde »Wir sind ein (unterstrichen) Volk!«, um letzt...

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