Gegründet 1947 Dienstag, 22. Oktober 2019, Nr. 245
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 08.10.2019, Seite 8 / Ansichten

Solidargemeinschaft des Tages: Bayerischer Adel

Von Jan Greve
Unbenannt-1.jpg
Gute Freunde kann niemand trennen: Anna von Bayern und Karl-Theodor zu Guttenberg

Während Mieten und Meeresspiegel um die Wette steigen, hat dieser Tage Bild ein wahres Knallerthema auf Lager: Wer wird der nächste Kanzlerkandidat der Union? Klar, ist ganz bestimmt auch wichtig und so. Wirkt aber irgendwie weniger existentiell. Wie lässt sich das im Boulevard aufpeppen? Logo: Prinzessin interviewt Freiherr!

Gesagt, getan. Am Montag tauchte Karl-Theodor zu Guttenberg beim Onlineauftritt von Bild auf. Der frühere Verteidigungsminister und Pin-up-Boy der CSU, der 2011 über seine abgeschriebene Doktorarbeit stolperte, tat kund, er stehe einer Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten der Union offen gegenüber. Angestoßen worden war die Debatte vom Nachwuchsverband »Junge Union«. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak wie auch Kanzleramtschef Helge Braun zeigten sich gegenüber der Forderung skeptisch. Schon klar: Wenn alle gleichzeitig und offen am Stuhl der Parteichefin sägen, wirkt das unsouverän. Lieber ab und zu laut Merz, Laschet oder Maaßen rufen, und dann schnell wieder in Deckung gehen.

Oder man macht’s wie der Adel und bleibt unter sich. Apropos: Die zu Guttenberg interviewende Bild-Moderatorin Anna von Bayern (vollständiger Name laut Wikipedia: Anna-Natascha Prinzessin von Bayern, geborene Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg) hatte 2010 eine Guttenberg-Biographie (er war damals 38 Jahre alt) mit dem Untertitel »Aristokrat, Politstar, Minister« veröffentlicht. Inhalt unter anderem: Kinderbilder des kleinen Freiherren. Neun Monate vor KTs Rückzug vom Ministeramt hieß es damals bei Spiegel online: Bei der Debatte um das »Kanzlerformat« zu Guttenbergs helfe es »natürlich, dass gerade jetzt die befreundete Bild-Journalistin Anna von Bayern eine nette, aber unkritische Lebensgeschichte Guttenbergs veröffentlicht«. Da weiß jemand, auf wen er sich verlassen kann.

Mehr aus: Ansichten