Gegründet 1947 Donnerstag, 12. Dezember 2019, Nr. 289
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 08.10.2019, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Einkommensungleichheit

Mehr Haushalte unter Armutsgrenze

Studie: Einkommensschere weitet sich, Mehreinnahmen konzentrieren sich bei Reichen
Altersarmutsrisiko_55506849.jpg
Zu wenig Einkommen: Immer mehr Menschen in der BRD gelten als arm

Die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland hat nach einer aktuellen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung einen neuen Höchststand erreicht. Die Schere zwischen oberen und unteren Einkommensgruppen habe sich in den vergangenen Jahren noch weiter geöffnet, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Verteilungsbericht des WSI. Die Untersuchung basiert auf den Daten des jüngsten Sozioökonomischen Panels für das jährlich über 25.000 Menschen in Deutschland interviewt werden und berücksichtigt die Entwicklung bis zum Jahr 2016.

Zwar wachse die Ungleichheit demnach langsamer als noch zu Beginn des Jahrtausends und betreffe auch nicht mehr so stark die Haushalte mit mittleren Einkommen, allerdings konzentriere sich immer mehr Einkommen bei den sehr Reichen, wie es in der Studie heißt. Diese profitierten von sprudelnden Kapital- und Unternehmenseinkommen. Dagegen seien die 40 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkommen weiter zurückgefallen – auch im Vergleich zur »gesellschaftlichen Mitte«, die von der guten Arbeitsmarktlage und von spürbaren Lohnsteigerungen profitiert habe.

Verlierer sind die Haushalte, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben und nach wissenschaftlicher Definition als arm gelten. Zwischen 2010 und 2016 ist deren Zahl von 14,2 auf 16,7 Prozent angewachsen. Es gehe ihnen laut Studie zudem immer schlechter, denn die sogenannte Armutslücke – der Betrag, der fehlt, um über die 60-Prozent-Hürde zu kommen – sei mit einer Steigerung um fast 30 Prozent beträchtlich größer geworden. Verantwortlich dafür sei die verstärkte Spreizung der Löhne in der BRD. Die untersten zehn Prozent der Haushalte im Einkommensranking hätten 2016 nach Anzug der Inflation sogar geringere Einkünfte gehabt als 2010, berichteten die Forscher. (dpa/jW)