Gegründet 1947 Dienstag, 15. Oktober 2019, Nr. 239
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 02.10.2019, Seite 1 / Titel
Geburtstag

3. Oktober! Wir gratulieren! Der Berliner Fernsehturm wird 50

Plan erfüllt: In der Hauptstadt der DDR wird 1969 das höchste Bauwerk Deutschlands fertiggestellt
Von Ronald Weber
S01 Fernsehturm-roh.jpg
Blick auf den Alexanderplatz: Gerhard Thiemes Bronzeskulptur vor dem Haus des Berliner Verlags, bis 1991 Redaktionssitz der Tageszeitung Junge Welt

Nach dem Ende der DDR wollten sie ihn tatsächlich abreißen. So wie den Palast der Republik und andere Baudenkmäler des Sozialismus. In den Augen der Westberliner Presse war der Fernsehturm schon immer ein Ärgernis gewesen (siehe Seite 12/13). Bei den Bürgern der DDR allerdings erfreute sich der Fernsehturm seit der Eröffnung am 3. Oktober 1969 größter Beliebtheit. Nirgendwo sonst hatte man eine solch phantastische Aussicht auf die Hauptstadt der DDR – nebst Blick in den Westen.

Eigentlich wollte die Regierung zu Beginn der 1950er Jahre nur einen Sendeturm bauen, um die funktechnische Versorgung zu gewährleisten. Als Standort waren zunächst die Müggelberge vorgesehen. Mitte der 1960er Jahre wurde schließlich der Alexanderplatz ausgewählt, und aus dem Funkturm wurde eines der architektonischen Wahrzeichen Berlins. Das ist er bis heute. Jährlich besuchen mehr als eine Million Menschen die Aussichtsplattform – zu satten Preisen. Das ist im Kapitalismus selbstverständlich. Auch, dass der Turm längst privatisiert worden ist und heute der Deutschen Telekom AG gehört. Vor 1989 war der Fernsehturm Volkseigentum. Ob der Bildhauer Gerhard Thieme daran gedacht hat, als er 1968 seine Bronzeskulptur »Bauarbeiter« an der Karl-Liebknecht-Straße (im Bild) schuf? Wie dem auch sei, Fernsehturm und Plastik stehen bis heute. Wir gratulieren.

Leserbriefe zu diesem Artikel: