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Aus: Ausgabe vom 01.10.2019, Seite 10 / Feuilleton
Filmgeschichte

Outtakes von »Katzgraben«

Kommunistisches Filmerbe gerettet: Die Reihe »Brecht in echt« im Berliner Kino Babylon
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Bertolt Brecht (1954)

Bessere Nachrichten gibt der hiesige Kulturbetrieb kaum her: Im Verlauf des Jahres ist das gesamte filmische Erbe Bertolt Brechts digitalisiert, zum Teil auch restauriert worden. Als die Filmförderungsanstalt Mitte Mai den Abschluss der Arbeiten am Klassiker »Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?« (1932) verkündete, war das ein Anlass zu großer Freude. Maßgeblich zu verdanken ist die Rettung des Archivmaterials der Akademie der Künste und der Deutschen Kinemathek.

Zentral sind die Theaterdokumentationen, zum Beispiel »Katzgraben«, DDR 1957, Musik: Hanns Eisler, mit Erwin Geschonneck, Sabine Thalbach, Ekkehard Schall – 95 Minuten lang. Gedreht in den Theaterferien im Sommer 1957 unter der Theaterregie von Manfred Wekwerth nach der Fassung der Uraufführung am Berliner Ensemble vier Jahre zuvor. Dort hatte Brecht Regie geführt. Im Stück von Erwin Strittmatter kommt ein Dorf in der Niederlausitz nach dem Krieg gegen den Großbauern zusammen: »Lernt und verändert, lernt daraus aufs neue, und ändert wieder!«

In der Reihe »Brecht in echt«, mit der das Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin vom 3. bis 6. Oktober aufwartet, sind neben der bereits abendfüllenden Dokumentation auch »Outtakes von ›Katzgraben‹« zu sehen, ebenfalls »digitalisiertes, restauriertes Material«.

Weitere epochale Fragmente dieser Art sind Szenen aus Brechts »Mann ist Mann«-Inszenierung von 1931 mit Peter Lorre. Oder aus »Die Gewehre der Frau Carrar« (1953), mit Helene Weigel, Ekkehard Schall und Erwin Geschonneck. Eine Musterinszenierung für das noch im Probebetrieb befindliche Fernsehen der DDR, die im Herbst jenes Jahres im Deutschen Fernsehfunk erstausgestrahlt wurde.

Zur Vorgeschichte dieser lichten Höhen zeigt das Babylon den 30minüter »Mysterien eines Friseursalons« (1922), mit Brecht, Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Bizarre Handlungen um einen faulen Friseurgesellen und einen prahlerischen Professor, der sich nach blutigen Zwischenfällen mit einem Geköpften duelliert – Regisseur Erich Engel hat die Dreharbeiten als größten Spaß seines Lebens bezeichnet, man sei am Abend lachend von den Stühlen gefallen. Brecht war die Mitwirkung an diesem »Filmchen«, das ihm die Radikalisierung der Rolle Valentins verdankt, kaum die Rede wert.

Das Babylon zeigt Brecht auch in Privataufnahmen von Ruth Berlau, Paul Robeson, Charles Laughton und vielen anderen. Und eine »Hofmeister«-Show mit Jürgen Kuttner gibt’s obendrauf. (jW)

»Brecht in echt«, 3. bis 6. Oktober, Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin-Mitte

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