Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 27.09.2019, Seite 1 / Kapital & Arbeit
Krise

Konzerne weiten Kurzarbeit aus

Umfrage unter Unternehmen: Niveau schon wie zum Höhepunkt der Rezession von 2012/13
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Continental setzt auf Kürzungskurs. Arbeiterin in einem Werk in Nürnberg (24.2.2017)

Deutsche Industrieunternehmen greifen laut einer Umfrage des Ifo-Instituts wegen der anhaltenden Konjunkturschwäche stärker auf Kurzarbeit zurück. Im September habe es in 5,5 Prozent der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe Kurzarbeit gegeben, im Juni seien es nur 3,8 Prozent gewesen, teilte das Forschungsinstitut am Donnerstag in München mit. In den kommenden drei Monaten gehen 12,4 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, diese Maßnahme ergreifen zu müssen.

»Damit hat die Anzahl der Unternehmen mit Kurzarbeit ein Niveau erreicht, das zuletzt auf dem Hochpunkt der Rezession 2012/13 gemessen wurde«, sagte Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen. Damals sei die Zahl der Kurzarbeiter auf knapp mehr als 100.000 Personen gestiegen.

Der Umfrage zufolge konzentriert sich die Kurzarbeit in der deutschen Industrie derzeit auf sieben Branchen. Die Textilindustrie sei mit einem Anteil von 20 Prozent der Firmen am stärksten betroffen. Es folgen Unternehmen, die elektrische Ausrüstungen herstellen (elf Prozent) und Firmen in der Metallerzeugung- und bearbeitung mit zehn Prozent sowie Unternehmen in der Herstellung von Metallerzeugnissen mit neun Prozent. Im Maschinenbau sind es laut der Mitteilung sieben Prozent, bei Autos und Autoteilen ebenfalls sieben Prozent und in der Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus sechs Prozent der befragten Unternehmen.

Der Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, rechnet damit, »dass es im ersten Quartal 2020 zu einem deutlichen Anstieg der Kurzarbeit kommen wird«, wie er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Mittwochausgabe) sagte. Diese Entwicklung sei derzeit schon im Nutzfahrzeugbereich zu sehen. Hofmann kritisierte Pläne einiger Zuliefererbetriebe, Arbeitsplätze nach Osteuropa zu verlagern. »Ich halte es, ehrlich gesagt, für einen Skandal, wenn Unternehmen schon die kleinste konjunkturelle Delle zur Verlagerung nutzen.« Als Beispiel nannte Hofmann Continental. Mit dem Dax-Konzern aus Hannover verhandelt die IG Metall derzeit über Werksschließungen sowie den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen. (dpa/Reuters/jW)

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