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Aus: Ausgabe vom 24.09.2019, Seite 8 / Ansichten

Krisenprofiteur des Tages: Paul Singer

Von Simon Zeise
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Paul Singer, Geschäftsführer der Elliott Management Corporation, 2013 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Krisen erhöhen die Gewinnchancen von Spekulanten. Paul Singer, Chef des 38 Milliarden Dollar schweren Hedgefonds Elliott trommelt seine Artillerie zusammen. Wie die Financial Times am Montag berichtete, will der aktivistische Investor in der laufenden Finanzierungsrunde des Fonds fünf Milliarden Dollar einsammeln, um nach einem Börsencrash billige Aktien aufzukaufen.

Singers Geschäftsmodell ist simpel. Schuldner, die in Zahlungsschwierigkeiten kommen, nimmt er in den Schwitzkasten. 2001 deckte er sich mit billigen argentinischen Staatsanleihen ein. Erst 15 Jahre später ließ er die Regierung in Buenos Aires vom Haken, nachdem Präsident Mauricio Macri ihn endlich mit 2,4 Milliarden Dollar auszahlte. Bis dahin hatte er darauf gedrängt, argentinische Vermögenswerte weltweit beschlagnahmen zu lassen.

Mit zahlreichen Beteiligungen an Großkonzernen wie Bayer oder Thyssen-Krupp zielt er auch in Deutschland darauf ab, Mitarbeiter zu entlassen und profitable Sparten aus dem Konzern zu ziehen. Und die Gewinnaussichten für Spekulanten steigen von Tag zu Tag. Denn die Geschäfte der deutschen Industrie laufen so schlecht wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Mitte 2009 nicht mehr, teilte das Marktforschungsinstitut IHS Markit am Montag mit. 800 Manager wurden zu ihren Zukunftsaussichten befragt. Das Ergebnis lautet: »Die Industriedaten sind einfach schrecklich«, ließ das Institut wissen. Aus den Reihen der Commerzbank jaulte es: »Mit der Verschlechterung der Lage im Dienstleistungssektor nimmt in Deutschland auch die Gefahr einer ausgeprägten Rezession zu, also eines Schrumpfens der Wirtschaft mit einem deutlichen Rückgang der Investitionen und einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit.« Nichts geht mehr. Die Einsätze im Kasino sind plaziert.

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