Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 23.09.2019, Seite 6 / Ausland
Venezuela

13 Millionen Unterschriften

Kampagne gegen US-Blockade Venezuelas abgeschlossen. Aktivistinnen beraten in Caracas über antiimperialistischen Widerstand
Von Julieta Daza, Caracas
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Die Delegierten des Frauentreffens nahmen am Sonnabend in Caracas an einer antiimperialistischen Friedensdemonstration teil

Unter der Losung »Für Frieden und Solidarität zwischen den Völkern« ist am Sonnabend in Caracas ein dreitägiger Frauenkongress zu Ende gegangen, an dem fast 500 Aktivistinnen aus allen Bundesstaaten Venezuelas sowie 80 Delegierte aus 21 weiteren Ländern teilgenommen haben. Die Durchführung der Veranstaltung war im Juli bei der diesjährigen Tagung des Forums von São Paulo, die ebenfalls in Caracas stattgefunden hatte, beschlossen worden. Ziel war es, die dort begonnenen Diskussionen fortzusetzen und über die Umsetzung der gefassten Beschlüsse zu beraten. Dafür teilten sich die Teilnehmerinnen am Freitag in sechs verschiedene Diskussionsgruppen auf, in denen die Auswirkungen der Aggressionen und Wirtschaftssanktionen des US-Imperialismus auf das Leben von Frauen und Mädchen ebenso diskutiert wurden wie Möglichkeiten von Frauen, sich auch in Kriegsregionen für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte sowie gegen politische und sexuelle Gewalt zu organisieren. In einer weiteren Arbeitsgruppe wurde über den Kampf gegen Kapitalismus, Kolonialismus, patriarchale Verhältnisse und Rassismus diskutiert, in einer anderen die Rolle der Frauen in revolutionären und fortschrittlichen Prozessen weltweit sowie ihr Kampf für Souveränität und Selbstbestimmung der Völker. Das von den bürgerlichen Massenmedien verbreitete Frauenbild sowie der Kampf der Frauen für die Rechte der Pachamama, der Mutter Erde, und der indigenen Gemeinden standen ebenfalls auf der Agenda.

Solche Initiativen seien wichtig, da man der imperialistischen Offensive gegen die revolutionären und fortschrittlichen Prozesse in Lateinamerika nur etwas entgegensetzen könne, »wenn wir die Grenzen unserer Länder überschreiten und gemeinsam Widerstand leisten«, sagte Jade, eine Aktivistin der brasilianischen Landlosenbewegung MST am Rande der Konferenz im Gespräch mit junge Welt. Aufgrund der Verfolgung in ihrem Heimatland wollte sie ihren Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen. Beim Kampf der Frauen und vor allem bei der Verteidigung »der ersten aller Frauen, unserer Mutter Erde«, gehe es nicht nur um juristische oder bürokratische Forderungen, sondern um Menschlichkeit und Solidarität.

An der offiziellen Eröffnung des Treffens am Freitag nahmen unter anderem der Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, sowie Adán Chávez, Venezuelas Botschafter in Kuba und in der Regierungspartei PSUV für internationale Angelegenheiten verantwortlich, teil. Das Wort ergriff auch die für die Frauenbewegung zuständige Vizechefin der PSUV, Gladys Requena. Aus dem Ausland waren unter anderen die Vizepräsidentin der Internationalen Demokratischen Frauenföderation (IDFF), Gloria Ramírez aus Kolumbien, sowie die Libanesin Wafi Ibrahim, die Koordinatorin des arabisch-lateinamerikanischen Solidaritätsvereins »José Martí« ist, angereist. Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung wurden die ausländischen Teilnehmerinnen dann von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro empfangen. Informationsminister Jorge Rodríguez nutzt die vom staatlichen Fernsehsender VTV übertragene Veranstaltung, um über neue Belege für die Verbindungen zwischen dem Oppositionspolitiker Juan Guaidó, der sich im Januar selbst zum »Übergangspräsidenten« des Landes ernannt hatte, und der als »Rastrojos« bekannten paramilitärischen Drogenbande aus Kolumbien zu informieren. Am 12. September waren in kolumbianischen und venezolanischen Medien Aufnahmen veröffentlicht worden, auf denen Guaidó mit führenden Mitgliedern der für zahlreiche Morde und Entführungen verantwortlichen Bande zu sehen ist. Inzwischen konnte einer von ihnen, Iván Posso Pedrozo alias »Nandito«, von venezolanischen Sicherheitskräften festgenommen werden. Pedrozo habe gestanden, dass die Paramilitärs den illegalen Grenzübertritt Guaidós Ende Februar vorbereitet und ermöglicht hätten. Der Politiker war am 23. Februar trotz eines gerichtlichen Ausreiseverbots aus Venezuela nach Kolumbien gereist, um an Propagandaveranstaltungen gegen die gewählte Regierung von Präsident Maduro teilzunehmen. Bogotá sei die Aktion bekannt gewesen, Staatschef Iván Duque habe ihr zugestimmt. Die Fotos mit Guaidó seien aufgenommen worden, um sie bei einer späteren Gelegenheit als Druckmittel nutzen zu können. Die Paramilitärs hätten Guaidó dazu zwingen wollen, ihnen die uneingeschränkte Kontrolle über das Grenzgebiet zwischen Venezuela und Kolumbien einzuräumen.

Am Sonnabend nahmen die Teilnehmerinnen des Frauentreffens an einer »internationalen und antiimperialistischen Demonstration« im Zentrum der Hauptstadt Caracas teil. Bei dieser wurden Vizepräsidentin Delcy Rodríguez und Außenminister Jorge Arreaza mehr als 13 Millionen Unterschriften überreicht, die in den vergangenen Wochen gegen die von den USA gegen das südamerikanische Land verhängte Wirtschaftsblockade gesammelt worden waren. Rodríguez und Arreaza sollen sie nun während der UN-Vollversammlung in New York an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, übergeben.

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