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Aus: Ausgabe vom 21.09.2019, Seite 8 / Ansichten

Abmahner des Tages: Hohenzollern

Von Claudia Wangerin
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Die Spitzenkandidaten der Partei Die Linke, Kathrin Dannenberg und Sebastian Walter, protestieren gegen das erlauchte ehemalige preußische Herrscherhaus in Potsdam (8.8.2019)

Die Hohenzollern sind einer der berüchtigten Clans, deren Revierverhalten immer wieder Thema in den Medien ist und manchmal auch die Justiz beschäftigt. Anders als »Reichsbürger« aus dem gemeinen Volk, die die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat anerkennen und ihre eigenen Phantasiegerichte haben, um politische Gegner zu verklagen, sind die Hohenzollern gerne bereit, die BRD-Justiz für ihre Zwecke zu nutzen. Wenig Verständnis haben sie für die Kampagne »Keine Geschenke für die Hohenzollern«, mit der die Partei Die Linke ihren »Entschädigungsforderungen« widerspricht.

Die Hohenzollern und ihr Sachwalter Georg Friedrich Prinz von Preußen fordern einen Millionenbetrag vom Staat und ein Wohnrecht im Schloss Cecilienhof, weil sie – beziehungsweise ihre Vorfahren – aus ihrer Sicht unrechtmäßig enteignet wurden. Die Linke sieht das anders und wirft dem Clan vor, der faschistischen Machtübernahme 1933 Vorschub geleistet zu haben: »Als sich Hitler und Hindenburg zur Machtergreifung die Hände reichten, stand der Kronprinz der Hohenzollern wie ein Pate in der ersten Reihe«, heißt es in dem Aufruf, für den Die Linke Unterschriften sammelt.

Der wiederholte Hinweis auf tiefbraune Verstrickungen der Familie ist aber offiziell nicht der Grund, warum Vertreter der Hohenzollern Die Linke nun anwaltlich abmahnen ließen. Nach Parteiangaben geht es um die Aussage, der Clan habe ein öffentlich finanziertes und von ihm kontrolliertes Museum für Kunstwerke aus dem früheren Familienbesitz gefordert. Der Anwalt der Hohenzollern hatte laut einem Bericht der Deutschen Presseagentur im Juli erklärt, ihr primäres Ziel sei, »die Sammlungen in den bestehenden Museen zu erhalten und der Öffentlichkeit weiterhin zugänglich zu machen«.

»Es entsteht der Eindruck, dass die Abmahnung nur vorgeschoben ist«, erklärte am Donnerstag der Bundesgeschäftsführer der Linken, Jörg Schindler.

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