Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 18.09.2019, Seite 15 / Antifa
Antisexismus

Reaktionäre Mobilmachung

Religiöse Fundamentalisten und rechte Geiferer wollen am Sonnabend in Berlin aufmarschieren
Von Markus Bernhardt
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Sogenannte Lebensschützer defilieren mit zahlreichen vorgefertigten Plakaten durch Berlin (17.9.2016)

An diesem Sonnabend droht Berlin ein unheimlicher Aufmarsch. Evangelikale, Fundamentalisten, selbsternannte »Lebensschützer«, Rechtskonservative, AfD-Anhänger und andere Rückwärtsgewandte wollen dann erneut gegen das Recht auf Abtreibung, eine moderne Sexualaufklärung und die Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Bi-, Inter- und Transsexuellen auf die Straße gehen. Dazu ruft unter anderem auch der Zusammenschluss »Demo für alle« auf, der auf seiner Internetseite die angeblich geplante Abschaffung der Familie herbeifabuliert. Dort wettern sie zudem explizit gegen die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz. Dies sei ein »Angriff auf die Elternrechte«.

Auch in diesem Jahr dürfte die neuerliche Provokation der Fundamentalisten keineswegs ohne Protest ablaufen. So mobilisiert das »Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung« aus verschiedenen Parteien, Frauenverbänden, Beratungsorganisationen wie »Pro Familia« und schwul-lesbischen Vereinen für Sonnabend ab 12 Uhr unter dem Motto »Leben und lieben ohne Bevormundung« zu einer Demonstration am Washingtonplatz (Ecke Ella-Trebe-Straße).

»Menschenrechte sind erst dann umgesetzt, wenn Menschen weltweit selbst über ihre Sexualität und Familienplanung entscheiden können«, heißt es im Aufruf. Die Organisatoren fordern darin die »endgültige Entkriminalisierung« des Schwangerschaftsabbruchs in der BRD. Die Strafrechtsparagraphen 219 a und 218 seien zu streichen. »Zugleich müssen flächendeckend pluralistische Beratungsstellen, die unabhängig bei Fragen um Sexualität, Familienplanung und Schwangerschaft unterstützen, erhalten und ausgebaut werden«, fasste Ines Scheibe, Sprecherin des Bündnisses, dessen wesentlichen Forderungen in einer Ende vergangene Woche veröffentlichten Erklärung zusammen. Scheibe ist selbst in der Konfliktberatung für Schwangere und Familien tätig.

Am 28. September beginnt eine bundesweite Aktionswoche unter dem Motto »Schwangerschaftsabbruch raus aus dem Strafgesetzbuch!« mit Veranstaltungen in über 30 deutschen Städten.

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