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Online Extra
11.09.2019, 18:43:52 / Ausland
Catalunya Lliure

Hunderttausende gegen Madrid

600.000 Menschen demonstrieren in Barcelona für Unabhängigkeit Kataloniens
»Katalonien ist nicht Spanien«: Demonstration am Mittwoch in Bar
»Katalonien ist nicht Spanien«: Demonstration am Mittwoch in Barcelona

Mehrere hunderttausend Menschen haben am Mittwoch in Barcelona an der traditionellen Großdemonstration für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien teilgenommen. Am Nationalfeiertag, der Diada Nacional de Catalaunya, versammelten sich nach Polizeiangaben rund 600.000 Menschen auf der Plaça d'Espanya. Obwohl die Kundgebung damit kleiner war als in früheren Jahren, als jeweils mehr als eine Million Menschen auf die Straße gegangen waren, sprach Kataloniens Ministerpräsident Quim Torra von einem »riesigen Erfolg« der Mobilisierung. Die Demonstration sei der erste Teil der Antwort auf die bevorstehenden Urteile gegen führende Politiker der Unabhängigkeitsbewegung gewesen, sagte er.

Seit Februar stehen in Madrid zwölf Politiker vor Gericht. Neun von ihnen, unter anderem dem von der spanischen Zentralregierung abgesetzten Vizepräsidenten Oriol Junqueras, drohen wegen der versuchten Abspaltung ihrer Region langjährige Haftstrafen wegen »Rebellion«. Ein Urteil in dem Prozess, der zunächst auf drei Monate angesetzt war, wird in den nächsten Wochen erwartet. In Katalonien wird befürchtet, dass die Richter dabei ein Exempel statuieren wollen und hohe Strafen verhängen werden.

Die Abgeordnete der antikapitalistischen »Kandidatur der Volkseinheit« (CUP), Maria Sirvent, forderte die Selbstbestimmung auszuüben, um soziale Rechte zu erlangen. Die Politik der Regionalregierung stimme nicht mit den Forderungen der Volksbewegung überein, sagte sie Journalisten der Tageszeitung Ara. Auch die katalanische kommunistische Partei »Comunistes de Catalunya« forderte in einer Erklärung zum Nationalfeiertag den Aufbau der Katalanischen Republik in einer Weise, dass sie auch für diejenigen Menschen erstrebenswert werde, die der Unabhängigkeit bislang ablehnend oder unentschieden gegenübergestanden hätten. »Wie schon immer kann auch heute der soziale nicht vom nationalen Kampf getrennt werden«, heißt es in dem Statement. Es sei unverzichtbar, sich auf das »Erbe des von Kommunisten, Republikanern und Demokraten angeführten antifaschistischen Kampfes« zu besinnen »und einer Kultur der Einheit und des Widerstandes treu zu bleiben«. (jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Bernd Niereisel: Unterschiedliche Interessen Mir ist unverständlich, warum Ihr solch einen Artikel so unkritisch druckt. Diese Unabhängigkeitsbewegung, die sich für einen eigenen bürgerlichen Staat einsetzt, kann doch unmöglich von Euch noch pol...

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