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Aus: Ausgabe vom 13.09.2019, Seite 16 / Sport
Basketball

Gute Laune

Wer glaubt schon Buchhaltern: Argentinien besiegt Serbien und steht im WM-Halbfinale
Von André Dahlmeyer
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Wie Straßenjungs auf dem Court: Argentiniens Luis Scola (M.) und Patricio Garino (r.) haben Spaß

Dongguan. Die Viertelfinals der 18. FIBA-Basketball-WM in der Volksrepublik China gingen ohne Überraschungen über die Bühne. Das schönste Match machte der Weltranglistenfünfte Argentinien in der Industriestadt Dongguan gegen Serbien (Vierter). Vom Anpfiff an dominierten die Silberländer das Spiel. Nur drei davon spielen noch in Argentinien, sieben sind WM-Debütanten, kein einziger spielt in der nordamerikanischen Event-Liga NBA. Die Serben gaben sich siegesgewiss. Das war sehr unvorsichtig. Und so wurde das Spiel etwas Atemberaubendes, Umwerfendes, schlicht: Schönes.

Nicolás Brussino von Basket Zaragoza gelang der erste Korb für die Gauchos, die nach einem Dreier von Facundo Campazzo, dem Point Guard von Real Madrid, mit 5:0 in Führung gingen. Patricio Garino (Kirolbet Baskonia), einer der besten Verteidiger der WM, verwandelte im 110. WM-Spiel Argentiniens (bis dato 63 Siege) zwei Freiwürfe zum 9:4. Als im ersten Viertel noch 3:26 Minuten zu spielen war, glichen Serbien erstmals aus (16:16). Ein Lebenszeichen. Der Lufthoheit der Hünen vom Balkan war nur durch flaches Dribbling beizukommen. Campazzo hypnotisierte die Rivalen, und seine Kollegen knallten Dreier wie verrückt. 18 Punkte, sensationelle zwölf Assists und sechs Rebounds von Campazzo, dem besten Spielmacher der Welt, 20 Punkte von »Luifa« Scola, 15 von Garino, 13 Punkte und acht Rebounds von Gaby Deck – dem hatten die Serben nichts entgegenzusetzen.

Der serbische NBA-Star Bogdan »Bogda« Bogdanovic wachte erst im zweiten Viertel auf – er traf sogleich per Dunk. Erst zum zweiten Mal gingen die Serben in Führung (28:27). Als ihre Achillesferse erwiesen sich ihre zahlreichen Ballverluste. Argentinien verteidigte brillant. Dass es trotz Bogda nie in Bedrängnis geriet, lag an der Intensität des Spiels der Truppe von Sergio Hernández. Sie spielten wie Jungs auf dem Court um die Ecke, sie hatten Spaß. So geht Sport. Nur noch einmal und mit einem Dreier ging Serbien in Führung (70:68). Ein Budenzauber. Die Wetten der Buchmacher hatten 8:1 gegen Argentinien gestanden, aber wer glaubt schon denen. Gaby Deck holte noch einen Mörder-Rebound, Luifa Scola watzte noch zwei Freiwürfe in den Korb und es stand 97:87.

Heute spielen Argentinien gegen USA-Bezwinger Frankreich und Spanien gegen Australien um das Finalticket. Seien Sie dabei. Basketball macht schließlich fröhlich.

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