Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 13.09.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Rassistisches Konstrukt

Interview | Mi., 16.35 Uhr, DLF
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Ein Haus der Nama und Damara, von den deutschen Völkermördern im Südwesten Afrikas »Hottentotten« genannt (undatierte Archivaufnahme)

Die Nachricht mutet seltsam verspätet an, scheint aber brandaktuell. Auf der Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft haben am Dienstag rund 500 Forscher eine Erklärung verabschiedet, in der dafür plädiert wird, den Begriff »Menschenrasse« künftig aus dem Sprachgebrauch zu verbannen, weil es für das Konzept von Rassen keinerlei wissenschaftliche Grundlage gibt. Im Radio sagt der Zoologe Martin Fischer, Mitverfasser der Erklärung: »Der Rassebegriff ist nichts anderes als ein gedankliches Konstrukt und entbehrt jeder Realität.« Der Begründer der Stammesgeschichtsforschung, Ernst Haeckel, hatte ein Kategoriensystem entwickelt, bei dem z. B. die »Hottentotten«, die es nie gab, ganz unten standen. Darunter wurden Menschen aus dem südlichen Afrika zusammengefasst, »von denen wir heute wissen, dass sie genetisch unterschiedlicher sind als Thüringer und Japaner«. Dass eine hierarchisierende Einteilung von Menschengruppen in Rassen à la Haeckel wissenschaftlich verbrämter, rassistischer Unfug ist, ahnte man seit langem – jetzt gibt es Gewissheit. (brat)

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