Der Schwarze Kanal
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Aus: Ausgabe vom 13.09.2019, Seite 8 / Ansichten

Außenministerchen des Tages: Heiko Maas

Von Sebastian Carlens
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Außenminister Heiko Maas (r., SPD) posiert gerne mit »Freiheitskämpfern« und Möchtegernputschisten

Heiko Maas selbst glaubt felsenfest, er sei amtierender Außenminister Deutschlands. So hat er es auf seiner Facebook-Seite vermerkt (»Info: Bundesminister des Auswärtigen«), so hat er es stolz seinen Eltern und auch seiner Freundin erzählt. Indes: In Wahrheit ist er nur Ministerdarsteller, Angestellter einer Firma – Claqueur in einem Theater, dessen Skripte nicht von ihm geschrieben werden. Maas versucht, diesen Missstand zu übertünchen, indem er eine angestrengte Miene macht und ab und an gravitätische Dinge äußert.

Wirkliche Außenpolitik betreibt in Deutschland bekanntlich die Bild aus dem Hause Springer. Die nutzt wie selbstverständlich den Bundestag, beziehungsweise dessen Dachterrasse, um die handverlesenen »hundert wichtigsten Persönlichkeiten« zu einem privaten Fest (»Bild 100«) in staatsmännischem Ambiente einzuladen. Da lümmeln dann Typen wie Vitali Klitschko – genau, er wurde durch das Blatt vom Boxer zum Bürgermeister Kiews befördert – neben solchen wie Raed Al-Saleh herum. Richtig, der ist Chef der von der USAID finanzierten »Weißhelme« in Syrien, also Akteur in einem Bürgerkrieg, auf der unsympathischen Seite. Dazwischen tummelt sich Joshua Wong, einer der schlimmsten Hetzer aus Hongkong. Wong gehört zu den harten Separatisten, zu den absolut Unversöhnlichen – Motto: »Zuerst befreien wir Hongkong, dann das chinesische Festland«. Bild findet das sehr gut, China endlich von den Chinesen zu befreien.

Und mittenmang? Unser Bundesaußenministerchen. Maas darf sein Gesicht machen, die Staffage für den Springer-Verlag abgeben und der Welt zeigen, was an deutscher Interessenpolitik verwerflich ist – die unverfrorene Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder. So ist das in der BRD, der Bild-Republik Deutschland: Über die wichtigsten Fragen und Personalien entscheidet hier die Boulevardjournaille.

Debatte

  • Beitrag von Ralf Schuster aus Gießen (12. September 2019 um 23:59 Uhr)
    Ei, ei, ei, ich wäre etwas vorsichtiger mit den Formulierungen. Man könnte »In Wahrheit ist er nur (...) Angestellter einer Firma« durchaus falsch verstehen. Und ich hoffe doch, es ist nicht so gemeint, wie ich es falsch verstehe ...
    • Beitrag von josef witte aus Hefei, VR China (13. September 2019 um 04:39 Uhr)
      Wie bitte?
  • Beitrag von Dirk Nienerowski aus Panketal (13. September 2019 um 07:04 Uhr)
    Auf den Punkt gebracht! Danke für diesen Beitrag.

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